Bautzen, wie weiter?

Der Brand im Husarenhof hat Bautzen kurzzeitig in die weltweiten Schlagzeilen gebracht. Wenn es jetzt auch kein Thema in den Medien mehr ist, so wird nicht nur in...

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Bautzen_Seidau

Der Brand im Husarenhof hat Bautzen kurzzeitig in die weltweiten Schlagzeilen gebracht. Wenn es jetzt auch kein Thema in den Medien mehr ist, so wird nicht nur in den sozialen Netzwerken heftig diskutiert. Inzwischen kursieren bereits etwas merkwürdige Video-Aufnahmen einer Begehung des abgebrannten Dachstuhls. Um Spekulationen und Gerüchte gar nicht erst aufkommen zu lassen, sollte es möglichst bald eine offizielle Mitteilung über den Stand der Ermittlungen zu diesem folgenschweren Brand geben.

Wie jetzt weiter? Das Für und Wider spaltet die Stadt, den Freundeskreis und sogar Familien. Jede Seite beharrt auf die eigenen Standpunkte. Wie ist der Brandanschlag zu werten und vor allem was jetzt tun? Klar, Zeichen setzen. Nur welche?

Nach dem Brand der geplanten Flüchtlingsunterkunft haben Bautzener am 25. Februar auf der Friedensbrücke ein Zeichen gegen Gewalt und für eine weltoffene Stadt gesetzt.

Am 09.03.16 findet um 17 Uhr in Bautzen der „Lauf für Mitmenschlichkeit“ statt. „Der Lauf möchte wachrütteln und die Bevölkerung dazu aufrufen, sich aktiv mit den derzeitigen Geschehnissen auseinanderzusetzen, noch offensiver Farbe zu bekennen, um der Welt zu zeigen, dass auch die Stadt und die Gemüter farbenfroh und nicht auf ein paar wenige verirrte Geister zu reduzieren sind.“

Das mag gut fürs Gewissen (und weitere Schlagzeilen in den Medien) sein, doch ist es wenig zielführend, weil das Ziel nicht bekannt ist. Permanent eine „Bunte und weltoffene Stadt“ zu fordern ist das Eine. Frei nach dem Motto: „Wir sind die Guten, und diejenigen, die uns dafür kritisieren, sind die verabscheuungswürdigen, fremdenfeindlichen Wutbürger.“

Um eine Spaltung dauerhaft zu vermeiden, müssen beide Positionen aufeinander zugehen und Kompromisse schließen. Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens geht mit gutem Beispiel voran und sagt: „Ich bin der festen Überzeugung, dass man mit Andersdenkenden den Dialog suchen und kontinuierlich führen muss – gerade in der Flüchtlingsfrage. Es ist nicht mehr zeitgemäß, sich Gesprächen mit der AfD oder Pegida zu verwehren.“

Sollte es zu der „Gesprächsrunde“ kommen, werden die Diskussionen für keine Seite angenehm. Müssen sie auch nicht, solange sie ergebnisorientiert sind.

Beide Seiten sollten erkennen, welche Chance sich gerade nach dem jüngsten Ereignis für Bautzen ergibt.

Einerseits kann sich Bautzen neu erfinden, gerade jetzt auch nach dem Arbeitsplatzabbau bei Bombardier. Die Auswirkungen davon werden gravierender sein, als ein ausgebrannter Dachstuhl eines zukünftigen Flüchtlingsheims.

Andererseits sollte Bautzen eine eigene lokale Flüchtlingspolitik entwickeln, von der alle, Befürworter, Skeptiker und die Flüchtlinge selber profitieren können. Indem sich eine integrierbare Anzahl von Flüchtlingen in Bautzen eine neue Heimat aufbaut, ins Wirtschafts – und Kulturleben einbringt und der Gesellschaft positive Impulse gibt.

Die Voraussetzungen dafür müssen aber auch geschaffen werden. Und da reicht es nicht aus, nur sein Gewissen zu beruhigen, indem man auf der Friedenbrücke steht oder andere Laufeinheiten durch die Stadt führt.

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