Bautzener Arbeitsagentur will Geringqualifizierte in Jobs bringen

Thomas Berndt von der Bautzener Arbeitsagentur erklärt die neue Initiative. Foto: Agentur für Arbeit Bautzen boomt. Doch obwohl viele Firmen schwarze Zahlen schreiben und immer wieder neue Mitarbeiter...

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Thomas Berndt von der Bautzener Arbeitsagentur erklärt die neue Initiative. Foto: Agentur für Arbeit
Thomas Berndt von der Bautzener Arbeitsagentur erklärt die neue Initiative. Foto: Agentur für Arbeit

Bautzen boomt. Doch obwohl viele Firmen schwarze Zahlen schreiben und immer wieder neue Mitarbeiter suchen, bleiben Menschen ohne qualifizierten Berufsabschluss auf der Strecke. Deshalb hat die Arbeitsagentur Bautzen die “Initiative zur Flankierung des Strukturwandels“ der Arbeitsagentur Bautzen ins Leben gerufen. Was bürokratisch formuliert klingt, hat ein Ziel: Geringqualifizierte in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen. Wo die Stärken der Betroffenen liegen und welche Branchen für sie in Frage kommen, hat der Geschäftsführer Operativ, Thomas Berndt, dem Bautzener Boten erzählt.

Ihre Kollegen wollen Arbeitslose mit geringer Qualifikaktion in den ersten Arbeitsmarkt bringen. Wie stehen die Chancen diese Menschen?

Ein erster Ansatzpunkt für die Vermittler der Agentur für Arbeit Bautzen ist die Analyse der zukünftigen bzw. dauerhaften Arbeitsmarktchancen im Helferbereich. Diese werden gemeinsam mit den Kunden erörtert. Die Erfahrungen zeigen oft eine klare Tendenz. Je niedriger das Qualifikationsniveau, desto geringer sind die Chancen, im ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Haben Geringqualifizierte einmal den Einstieg in eine Beschäftigung im Helferbereich geschafft, ist deren Risiko, erneut arbeitslos zu werden, bedeutend höher als für qualifizierte Fachkräfte. Der Grund liegt auf der Hand. Sie sind einfacher zu ersetzen und damit austauschbarer. Allein diese Tatsache hilft den Vermittlern, geeignete Arbeitsuchende von der Notwendigkeit zum Erwerb eines Berufsabschlusses zu überzeugen.

Wie viele Betroffene sind derzeit bei der Arbeitsagentur Bautzen gemeldet?

Im Zuständigkeitsbereich der Hauptagentur in Bautzen gibt es aktuell etwa 100 Betroffene, die als geringqualifiziert anzusehen sind und die gleichzeitig für eine weitergehende Qualifizierung in Frage kommen. Ein Viertel davon sind Berufsrückkehrer/-innen, deren aktuelle Qualifikationen eine berufliche Eingliederung erschweren. Natürlich kommt nicht jeder gering qualifizierte Kunde für das Programm in Frage, da perspektivisch klar sein muss, dass die Umschulung erfolgreich abgeschlossen werden kann, schließlich soll das Geld sinnvoll angelegt werden. In Zweifelsfällen kann der Fachdienst der Arbeitsagentur beratend mitwirken.

Wo sehen die Mitarbeiter der Arbeitsagentur die Stärken dieser Menschen?

Viele der Betroffenen haben eine insgesamt positive Grundhaltung und die Bereitschaft zur beruflichen Neuorientierung. Ihnen geht es darum, in einem neuen Tätigkeitsbereich möglichst dauerhaft eine Arbeit zu finden.

Haben die angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftemangels und des steigenden Bedarfs jetzt größere Chancen?

Perspektivisch wächst der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften und zwar weitgehend unabhängig von der aktuellen konjunkturellen Lage. Die Ursache liegt insbesondere im demographischen Wandel. Immer weniger Berufseinsteiger stehen einer steigenden Anzahl von Arbeitnehmern, die in den Ruhestand gehen, gegenüber. Der Bedarf der Wirtschaft an qualifizierten Arbeitskräften wird also weiterhin auf hohem Niveau liegen. Die Beschäftigungschancen für Niedrigqualifizierte werden hingegen kaum steigen. Dies liegt insbesondere an der Tatsache der Globalisierung der Arbeitsmärkte. Tätigkeiten, die nur geringe Anforderungen an die Qualifikation von Mitarbeitern stellen und die personalintensiv sind, werden weiter in Länder mit niedrigeren Produktions- und Lohnkosten verlagert.

In welchen Branchen wird es künftig verstärkte Fachkräftebedarf geben?

Aus derzeitiger Sicht wird das überwiegend in folgenden Branchen der Fall sein: Fertigungsberufe in der kunststoffverarbeitenden Industrie, Fertigungsberufe in der Metall- und Elektrobranche und Dienstleistungsberufe in den Bereichen der Körperpflege und der Gästebetreuung.  Die Prognose basiert auf dem Fachkräfteradar, einem Instrument der Bundesagentur für Arbeit zur Arbeitsmarktanalyse. Betrachtet wird ein Zeitraum von 10 Jahren.

BU1: Die Bautzner Arbeitsagentur will sich verstärkt um geringqualifizierte Arbeitslose kümmern. Foto: Agentur für Arbeit

BU2: Pressesprecher Alexander Ulbricht erklärt die neue Initiative der Arge. Foto: Agentur für Arbeit

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