Bezahlfernsehen und YouTube – hat das normale Fernsehen bald ausgedient?

Bezahlfernsehen und YouTube – hat das normale Fernsehprogramm bald ausgedient? Während die Zahlen der Internetnutzer in allen Bereichen und Altersgruppen stetig wachsen, so fallen gleichermaßen die Zuschauerzahlen im...

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Bezahlfernsehen und YouTube - hat das normale Fernsehprogramm bald ausgedient?
Bezahlfernsehen und YouTube – hat das normale Fernsehprogramm bald ausgedient?

Während die Zahlen der Internetnutzer in allen Bereichen und Altersgruppen stetig wachsen, so fallen gleichermaßen die Zuschauerzahlen im klassischen Fernsehen. YouTube-Kanäle haben mittlerweile die volle Aufmerksamkeit von Jugendlichen und auch vielen Erwachsenen und begeistern mit vielfältigen Inhalten, die darüber hinaus über einen deutlich geringeren Werbeanteil verfügen – während Fernsehsender gezwungen sind, sich immer wieder neue Formate auszudenken, um ihre Zuschauer weiterhin fesseln zu können. Aber sind traditionelle Fernsehsender deshalb wirklich in Gefahr und wie sieht die Zukunft von Bezahl- und Internetfernsehen aus?

 

Eine Studie der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) gab unlängst bekannt, dass der Abfall der Zuschauerzahlen im Fernsehen bereits seit 2012 deutlich bemerkbar ist und insbesondere die Zielgruppe der 14-19-Jährigen betrifft. Dies ist allerdings nicht mit der Annahme gleichzusetzen, dass Jugendliche sich insgesamt weniger mit Medien beschäftigen, vielmehr verlagert sich ihre Aufmerksamkeit mittlerweile auf andere Medien. Demnach liegt die tägliche Nutzung von Fernsehen bei rund 120 Minuten, während das Internet im Schnitt bis zu vier Stunden pro Tag genutzt wird. Laut einer Onlinestudie der ARD und ZDF nutzen immerhin 77% aller Jugendlichen ab 14 das Internet zumindest gelegentlich, wobei Videos das Hauptkonsummittel darstellen. Gerade die Kommunikation und Interaktion zwischen Publikum und Videomachern ist es dabei, die viele begeistert – gleichzeitig bringt es die Möglichkeit des Teilens der Inhalte über soziale Netzwerke mit sich, dass die Zielgruppe schnell anwächst und stark untereinander vernetzt ist.

Neben Internetportalen wie YouTube sind es aber auch die etlichen Bezahlfernseh-Angebote, die dem klassischen Fernsehen Konkurrenz machen. Formate wie Netflix, Maxdome oder Amazon Prime bieten dem Nutzer mittlerweile eine große Auswahl an Serien und Filmen, die nicht nur zu jedem beliebigen Zeitpunkt und von fast jedem Endgerät abgerufen werden können, sondern meist auch ein aktuelleres und auf den Nutzer abgestimmtes Programm bereithalten. Zwar müssen Kunden in diesem Fall einen monatlichen Betrag zahlen, mit nicht einmal 10€ (abweichend je nach Anbieter) halten sich die Kosten allerdings im Rahmen – die GEZ verlangt hier bereits 17,50€ monatlich und das für ein Programm, mit dem heutzutage viele Verbraucher nicht mehr zufrieden sind. Zudem müssen die Zuschauer sich beim Bezahlfernsehen nicht mit lästigen Werbeblöcken herumschlagen, können meist auf ein HD-Format zurückgreifen und haben die Wahl, ob sie ihre Lieblingsserie in deutscher

Tonausgabe oder in der Originalfassung genießen möchten. Inzwischen haben sich viele weitere Kabel-, Satellit- und IP-TV-Anbieter in Deutschland mit dem Pay-TV arrangiert und bieten ebenfalls entsprechende Pakete an. Die bekanntesten Vertreter dürften wohl Sky und Telekom Entertain sein, aber auch Kabel Deutschland, Unitymedia und sogar Vodafone halten entsprechende Tarife bereit, die oftmals auch mit einem digitalen HD-Receiver oder anderen Boni geliefert werden. Die Leistungen, Nutzungsrechte und die Menge der zusätzlichen Sender unterscheiden sich zum Teil allerdings stark, sodass hier ein genauer Blick auf das jeweilige Paket geworfen werden sollte, bevor es an eine Buchung geht. Helfen können dabei Vergleichsrechner wie etwa unter Verivox.de, die alle relevanten Anbieter in ihrem System hinterlegt haben und auf aktuelle Preise und Leistungen zurückgreifen können.

Internetplattformen professionalisieren sich

Zudem wird das Angebot über Plattformen wie YouTube immer professioneller und macht dem Fernsehen demnach auch in qualitativer Hinsicht Konkurrenz. Sogenannte Netzwerke sorgen dafür, dass YouTuber mittlerweile vertreten, unterstützt und vermarktet werden – etwa durch die Bereitstellung von Studios, Beratung und anderen Dienstleistungen. Netzwerke wie Mediakraft, derzeit der größte Vertreter Deutschlands, sehen sich selbst als Internet-Fernsehsender, wenn auch nicht im klassischen Sinne. Denn einen festen Programmablauf gibt es nicht und auch die Kontrolle der Produktionen ist in vielen Fällen nicht gegeben. Sie kommen ihrer Zielgruppe mit frei wählbaren Programmen entgegen und bieten ihnen so die Möglichkeit, sich frei zu entscheiden – wodurch sie sich erfolgreich den Konsumgewohnheiten im Netz und auch mobil anpassen.

Was tun Netzwerke?

  • Reichweite generieren

Ein Netzwerk ist vor allem deshalb so attraktiv für einzelne YouTuber, weil sich die Reichweite der einzelnen Kanäle auf diesem Wege bündeln lässt. Einerseits wird so der Austausch zwischen den einzelnen YouTubern angeregt, andererseits wird aber auch das Interesse von Fans anderer Kanäle geweckt. In diesem Bezug ist auch die Cross-Promotion in den einzelnen Channels zu erwähnen.

  • Kommunikation ermöglichen

Der Austausch zwischen YouTube und den einzelnen YouTubern wird ebenfalls durch das Netzwerk geregelt. Dazu gehört neben dem telefonischen oder Email-Kontakt auch die Pflege von Social-Media-Portalen oder die klassische Pressearbeit.

  • Produktion optimieren

Zum Teil werden YouTube-Kanäle bereits vollständig von einem Netzwerk produziert. In der Regel unterstützen sie die Produktion aber lediglich durch Hilfsmittel wie Kamera- und Schnitttechnik und Räumlichkeiten. Zudem werden sie ebenfalls tätig, wenn es um Rechtefragen geht, etwa bei eingebundenen Bildern und Musik.

  • Talente fördern

Netzwerkbetreiber suchen Talente, fördern diese beispielsweise durch Workshops und Knowhow und vermarkten sie ihren Ansprüchen entsprechend.

Im Netz stehen TV-Sender und YouTube-Netzwerke, die Inhalte verbreiten, im Wettbewerb. In einer nicht allzu fernen Zukunft werden alle Bewegtbild-Inhalte über IP übertragen, dann gibt es nur noch einen Markt und für den sind die YouTube-Netzwerke derzeit wahrscheinlich besser gerüstet.” Quelle; Bertram Gugel, Medienexperte und Inhaber des Blogs „Digitaler Film“

Die Wirtschaft erkennt die Chancen des Internets

Mehr und mehr Unternehmen haben mittlerweile das Potenzial des Internets und im Speziellen YouTubes für sich erkannt und investieren dementsprechend in die Plattform. Auch bekannte Fernsehsender suchen den Weg ins Web, darunter auch die ProSiebenSat.1-Gruppe: sie gründeten das Tochterunternehmen und Multichannel-Netzwerk Studio 71, welches unter anderem große Namen wie „Gronkh“, „Sarazar“ oder „Kelly aka Missesvlog“ für sich gewinnen konnte. Mit dem Auftauchen von Marken, Sendern und Labeln geht jedoch auch eine negative Entwicklung einher, die derzeit kontrovers in den Communities diskutiert wird. Dabei geht es vornehmlich um die immer häufigere Platzierung von „Product Placements“. Gerade die jüngeren Zuschauer werden hier einer gewissen „Gefahr“ ausgesetzt, denn sie richten sich nach ihrem Vorbild und sind daher stärker gefährdet, Dinge einfach nachzukaufen oder sich zu sonstigen Ausgaben verleiten zu lassen. Den Gipfel dieser Entwicklung stellt vermutlich der gerade frisch in die Kinos gekommene Film „Kartoffelsalat“ dar, ein Film, in dem über ein Dutzend bekannte YouTube-Größen die Hauptrollen spielen. Dass die Millionen Fans der einzelnen „Stars“, darunter vor allem Kinder und Jugendliche, zahlreich die Kinosäle stürmten versteht sich von selbst – wenngleich der Film mit 1,1 Punkten bei der IMDB auch nicht wirklich empfehlenswert scheint.

Abbildung: pixabay.com © geralt (CC0 1.0)

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