Der Blick nach Dresden: Dynamo mit neuen Transfers im Aufwind

Dynamo Dresden ist ein Verein mit langer Tradition, zu DDR-Zeiten spielte der Verein große Erfolge ein und wurde europaweit bekannt. 98 Spiele im UEFA-Europokal sprechen für sich, insgesamt...

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Dynamo Dresden ist ein Verein mit langer Tradition, zu DDR-Zeiten spielte der Verein große Erfolge ein und wurde europaweit bekannt. 98 Spiele im UEFA-Europokal sprechen für sich, insgesamt achtmal durften sich die Dresdner Meister der damaligen DDR-Oberliga nennen, siebenmal DDR-Pokalsieger. Doch diese glorreichen Zeiten liegen weit zurück, zuletzt machte der Kultverein, der noch heute immerhin 15.000 Mitglieder zählt, durch finanzielle Probleme von sich reden. Wie in jedem Transfersommer gilt aber auch für Dynamo Dresden: neues Spiel, neues Glück!

Foto: Bundesarchiv_Bild_183-M1031-0300,_DDR-Sportler_des_Jahres_1973,_Mannschaftsfoto_Dynamo_Dresden
Foto: Bundesarchiv_Bild_183-M1031-0300,_DDR-Sportler_des_Jahres_1973,_Mannschaftsfoto_Dynamo_Dresden

 Vom großen Auf und Ab im Fußballgeschäft

Nach der deutschen Wiedervereinigung wechselte Dynamo Dresden direkt in die Bundesliga, wo die Mannschaft bis 1995 auch verblieb. Dann kam der große Bruch: Obwohl der Dresdner Stadtrat dem Club 700.000 DM Mietschulden erließ, konnte keine finanzielle Konsolidierung der Vereinskasse erfolgen: Der Schuldenstand belief sich laut offiziellen Angaben zu diesem Zeitpunkt auf 18 Millionen DM. Der Liga-Ausschuss des DFB verweigerte somit den Dresdnern die Lizenz, da die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht mehr gegeben war. Dresdens Einspruch wurde nicht stattgegeben, es folgte der Abstieg in die Regionalliga. Die Saison 2014 / 2015 beendete die beliebte Mannschaft noch in der 3. Liga, doch die Fans hoffen weiterhin auf den Aufstieg zu alten Würden.

Benefizspiel gegen Bayern zum Kassenausgleich

Noch immer kämpft Dynamo Dresden mit den Finanzen, ein Benefizspiel gegen den FC Bayern spülte jüngst 2 Millionen Euro in die leeren Kassen. Damit möchte die Vereinsleitung ein Darlehen tilgen – ein weiterer Schritt zum Schuldenabbau. Obwohl die Bayern das Freundschaftsspiel mit 3:1 für sich entschieden, gehen die Dresdner doch als die eigentlichen Gewinner hervor. Vielleicht ist jetzt noch der eine oder andere glücksbringende Einkauf möglich, bevor sich das Transferfenster des deutschen Fußballs am 31. August endgültig schließt.

 

Heimstätte von Dynamo Dresden. Foto: LausitzerVerlagsanstalt
Heimstätte von Dynamo Dresden. Foto: LausitzerVerlagsanstalt

Die aktuellen Transfers bei Dynamo Dresden

Bis auf den Mittelstürmer Mathias Fetsch, den der ostdeutsche Verein dem Erstligisten FC Augsburg abgeworben hat, waren die bisherigen Transfers in diesem Jahr entsprechend der aktuellen Kassenlage für Dynamo ohne Ablöse. Fetsch ließ sich die Clubleitung immerhin 105.000 Euro kosten, nachdem sie den Spieler bereits in der letzten Saison auf Leihbasis gründlich getestet hatten. Geschäftsführer Ralf Minge setzt vor allem auf die Erfahrung des 26-jährigen, der ab Dezember 2014 einen Kreuzbandriss auskurieren musste und deshalb für die gesamte Rückrunde nicht zur Verfügung stand. Dynamo-Trainer Uwe Neuhaus äußerte sich zuversichtlich, dass Fetsch seinem Verein in der kommenden Saison Nutzen bringen wird: »Er kann im Mittelfeld und im Angriff auf mehreren Positionen zum Einsatz kommen und wird nach seiner Rückkehr zur Mannschaft ein wertvoller Spieler für uns sein«. Auf Fetschs Konto gehen bislang vier Tore für Dynamo Dresden und eine Torvorlage in 15 Ligaspielen.

Auch einen neuen Torhüter wird es für die Dresdner geben: Janis Blaswich wechselt für ein Jahr von Borussia Mönchengladbach ins Team der Dresdner. Geschäftsführer Ralf Minge verweist vor allem auf die kontinuierliche positive Entwicklung Blaswichs und setzt darauf, dass diese sich weiter fortsetzt. Cheftrainer Neuhaus erwartet »in der Vorbereitung einen offenen Konkurrenzkampf« zwischen Patrick Wiegert und dem neuen Torwart: ein Anreiz für beide Anwärter, ihr Bestes zu geben.

 

Die Herausforderung im Transferroulette

Die Herausforderung für die Verantwortlichen im Traditionsverein besteht offensichtlich darin aus sehr begrenzten finanziellen Mitteln das Maximum an Wirksamkeit herauszuholen und damit effizient zu wirtschaften. Der MSV Duisburg hatte es in der letzten Saison vorgemacht, wie trotz bedrohlicher finanzieller Situation und leeren Kassen der Aufstieg gelingen kann. Das letzte Wort im aktuellen Transferroulette ist dabei aber noch nicht gesprochen, es bleiben immer noch ein paar letzte Tage, bis dieses stoppt und es heißt: »Rien ne va plus« – nichts geht mehr. Beharrlichkeit bis zum Schluss kann sich für die Vereine auszahlen – und auch ein Quäntchen Glück ist stets mit von der Partie, wenn es darum geht, ein ausgeglichenes Team zu formieren. Dadurch gleicht das jährliche Transferfenster tatsächlich immer stärker dem klassischen Zeitvertreib, wie wir ihn aus den Casinos in aller Welt kennen. Ähnlich wie beim Glücksspiel bleibt es auch hier ungemein spannend, bis die Kugel auf einer Rückennummer gelandet ist.

 

Weitere Transfers zum Traditionsverein

Ohne Ablöse wechselten weiterhin Fabian Müller vom Drittligisten Erzgebirge Aue, Andreas Lambertz (genannt Lumpi) vom Zweitligisten FC Düsseldorf, Giuliano Modica von den Kickers Offenbach aus der Regionalliga Südwest, Pascal Testroet vom Zweitligisten Arminia Bielefeld und Aias Aosman von Jahn Regensburg aus der Regionalliga Bayern zu Dynamo. Johann Weiß kam aus der U19 zu den »Großen« herüber und Tim Väyrynen von Borussia Dortmund II frischt den Angriff für eine nicht bekannte Summe auf.

 

Mit neuer Aufstellung zum erhofften Aufstieg?

Trotz leerer Kassen hat Dynamo Dresden es also geschafft für einen hochwertigen, neu aufgestellten Kader zu sorgen. Vielleicht bringt die neue Formation dem Traditionsverein endlich das erhoffte Glück zum Aufstieg, um an alte Erfolge anzuknüpfen. Bis Ende August verbleibt noch etwas Zeit für weitere Änderungen, dann muss das neue Team auf dem Spielfeld aber beweisen, was es kann. Der Start in der 3. Bundesliga sieht dabei mehr als vielversprechend aus: Nach aktuell 5 Spielen stehen 11 Punkte auf der Habenseite und damit gilt Dynamo als einer der heißesten Aufstiegskandidaten der 3. Liga!

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