Ein Ei auf das Leben

Martin Keschke in seiner Werkstatt Oberlausitz. Einblicke in die sorbische Ostereierkunst erhalten Interessierte am Montag, 2. und Dienstag, 3. April, jeweils von 10 bis 12 und 13 bis...

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Martin Keschke in seiner Werkstatt
Martin Keschke in seiner Werkstatt

Oberlausitz. Einblicke in die sorbische Ostereierkunst erhalten Interessierte am Montag, 2. und Dienstag, 3. April, jeweils von 10 bis 12 und 13 bis 18 Uhr, bei „Fuß und Schuh“ am Fleischmarkt. Der Bautzener Martin Keschke gibt den Besuchern in dieser Zeit einen Schnupperkurs in der Eiermalkunst.

Das sorbische Osterei gehört zu den Schätzen, die Bautzen und seine Umgebung zu bieten haben. Der sorbische Ostereiermarkt mit dem Wettbewerb um das schönste Ei ist eine sehr gut angenommene Tradition. Schaut man diesen mit Engelsgeduld arbeitenden Eierkünstlern beim Verzieren zu, kommt einer über eine derartige Ausdauer nicht aus dem Staunen heraus. Fast könnte das Ei als das Mandala der Sorben bezeichnet werden, jedoch ist das Ei zum Hängen da und nicht zur inneren Selbstreinigung. Der ursprüngliche Gedanke des sorbischen Ostereis ist indes ein ganz anderer: Die Eier waren einst in der bäuerlichen geprägten sorbischen Region nicht als Dekoration, sondern als Geschenk von Sorben für ihre Patenkinder gedacht. Denn das Bearbeiten kostet Zeit, die hatte der Bauer damals nicht. Und wenn er sie sich nahm, dann war das Ergebnis bei weitem nicht mit den heutigen Kunsteiern zu vergleichen. „Das Ei ist ja auch ein Symbol für das Leben“, erklärt Martin Keschke. Und das sei eben auch nicht immer perfekt.

Sein halbes Leben malt Martin Keschke bereits Eier. Ob während seines Studiums in Dresden, auf Ausstellungen, bei Kursen und am 3. und 4. April sogar an seinem Arbeitsplatz im Orthopädie-Schuhgeschäft „Fuß und Schuh“ neben dem Dom St. Petri – der 45-jährige Bautzener hatte stets mit Ostereiern zu tun und kennt sich mit den Techniken des traditionell sorbischen Eierverzierens bestens aus. Mit der Gestaltung von Eiern hat er sich zum Teil sein Studium finanziert, für sein schönstes Ei hat er vor Jahren sogar einen Anerkennungspreis erhalten. Die Exponate, die man heute zum Teil kaufen könne, seien hingegen schon in der Form übertrieben. „Wenn ich nur an die großen Straußeneier denke…“ Das habe mit Tradition nichts mehr zu tun, ebenso die Tatsache, dass sich die Gestalter in der Ornamentik weit von den traditionellen Elementen wie Dreiecken, Rhomben und Strichen entfernt haben. Auch die Naturfarben, deren Mischung eine Kunst für sich ist, und die lediglich einen begrenzten Rahmen an Farbmöglichkeiten böten, seien nicht mehr Standard. „Die Farbenpracht, die sich heute bietet, das bekommt man mit Naturfarben gar nicht mehr hin“, meint Keschke.

Grund genug für Martin Keschke für eine Rückkehr zum klassischen Osterei zu werben. Er selbst geht dabei in der Osterzeit mit gutem Beispiel voran und gewährt Besuchern am Montag, 2. und Dienstag, 3. April, jeweils von 10 bis 12 und 13 bis 18 Uhr, Einblicke in die Ostereierkunst. „Die Besucher haben auch die Möglichkeit, ein eigenes Probeei zu gestalten“, so Keschke. In einem kleinen Schnupperkurs erklärt er dann Interessierten die ersten Schritte hin zum eigenen Osterei, führt sie etwa in die sorbische Ornamentik ein. „Es ist dann gar nicht so einfach, die symetrische Gestaltung auf das Ei zu bekommen“, schmunzelt Keschke, der sich über Zulauf von Eierfreunden nicht beklagen kann. Einige Besucher kommen bereits seit der ersten Veranstaltung vor drei Jahren, zeigen Kesche jedes Jahr ihre neuesten Ergebnisse und holen sich Tipps vom Experten. „Die kleine Veranstaltung hat sich durchaus etabliert“, so Keschke.

 

Weitere Möglichkeiten, sorbische Eiermalkunst zu entdecken, gibt es hier:

bis 29. April
Jutry w Serbach – Ostern bei den Sorben
Ausstellung Sorbisches Museum

2./3. April
10.00 -12.00 Uhr / 13.00 – 18.00 Uhr
Schauverzieren sorbischer Ostereier mit Martin Keschke
Ort: Fuß und Schuh, Fleischmarkt 11

4./5. April, 10.00 – 17.00 Uhr
Eierverzieren in sorbischen Techniken
Tourist-Information Bautzen-Budy¹in, Hauptmarkt 1

31. März/1. April, 13.00 – 17.00  Uhr
Volkskünstler verzieren Ostereier in den sorbischen Techniken
Sorbisches Museum, Ortenburg

23. April 2011 11.00 Uhr
Verzieren von Ostereiern
Ort: Haus der Sorben, Postplatz 2

6. April – Ostersonntag, 13.00 – 17.00 Uhr
Volkskünstler verzieren Ostereier in den sorbischen Techniken
Ort: Sorbisches Museum, Ortenburg

25. April 2011 10.00 – 18.00 Uhr
Volkskünstler verzieren Ostereier in den sorbischen Techniken
Ort: Sorbisches Museum, Ortenburg

 

Text: Tobias Schilling

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