Einkommensteuer für Selbständige – das ist zu beachten

4,2 Mio. – so viele Personen gingen 2012 einer selbständigen Tätigkeit nach (ohne Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei und Fischzucht). Zumindest wenn man sich an den Angaben des...

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4,2 Mio. – so viele Personen gingen 2012 einer selbständigen Tätigkeit nach (ohne Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei und Fischzucht). Zumindest wenn man sich an den Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn orientiert. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zahl an Selbständigen deutlich gewachsen. Das IfM Bonn spricht von einem Zeitraum von rund 20 Jahren über Zuwächse von mehr als 60 Prozent.

Selbständige sind aber nicht nur der eigene Chef – sie schaffen Arbeitsplätze und tragen zum Steueraufkommen der Bundesrepublik bei. Gerade im Hinblick auf die Einkommenssteuer stehen Selbständige vor ganz anderen Herausforderungen als Beschäftigte und Arbeitnehmer. Hintergrund: Wer in Deutschland kein Arbeitsentgelt erhält, hinsichtlich des Einkommens aber trotzdem Einkommen oberhalb des Grundfreibetrags erzielt, muss jedes Jahr eine Einkommenssteuererklärung abgeben. Beschäftigte erfüllen die Steuerpflicht bereits durch das Abführen der Lohnsteuer.

Einkommensteuer in Deutschland - das Steueraufkommen der Einkommensteuer ist einer der finanziellen Stützpfeiler für den Bundeshaushalt. Für Selbständige stellt die Steuererklärung stets eine Herausforderung dar. Foto: © geralt (CC0-Lizenz)/ pixabay.com
Einkommensteuer in Deutschland – das Steueraufkommen der Einkommensteuer ist einer der finanziellen Stützpfeiler für den Bundeshaushalt. Für Selbständige stellt die Steuererklärung stets eine Herausforderung dar. Foto: © geralt (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung als Kernstück der Steuererklärung

Selbständige müssen sich ganz zwangsläufig mit der Einkommenssteuererklärung befassen – und zwar jedes Jahr. Pünktlich mit dem Jahreswechsel brechen Monate an, in denen man die Buchhaltung der letzten 12 Monate zur Hand nimmt und das zurückliegende Geschäftsjahr „bilanziert“.

Allerdings wird nur ein Bruchteil der Selbständigen tatsächlich mit den komplexen Regeln der Bilanzierung und doppelten Buchführung konfrontiert. In vielen Fällen reicht eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung – kurz EÜR. Um was handelt es sich an dieser Stelle genau?

Grundsätzlich sind alle Unternehmer (ausgenommen die freien Berufe) in einem gewissen Grad zur Dokumentation von Ausgaben und Einnahmen verpflichtet. Im Zusammenhang mit kaufmännischen Tätigkeiten schreibt beispielsweise das Handelsgesetzbuch (HGB) entsprechende Regeln vor. Kapitalgesellschaften sind ebenfalls zur Buchführung verpflichtet. Für Selbständige, die:

  • weniger als 500.000 Euro im Kalenderjahr oder
  • einen Gewinn von weniger als 50.000 Euro im Wirtschaftsjahr oder
  • einen Gewinn aus Land- und Forstwirtschaft von weniger als 50.000 Euro im Kalenderjahr

erzielt haben, gilt diese Vorschrift der Abgabenordnung nicht. Hier reicht die Gewinnermittlung nach der 4/3-Regelung (§ 4 Abs. 3 EStG) aus. Dabei handelt es sich um eine Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben für das Wirtschaftsjahr. Trotz dieser Vereinfachung hinsichtlich des Jahresabschlusses unterliegt jeder Selbständige gewissen Formpflichten – etwa im Zusammenhang mit:

  • geringwertigen Wirtschaftsgüter
  • der Absetzung eines Sammelpostens oder
  • Abschreibungen (Absetzung für Abnutzung; AfA).

Und es stellt sich durchaus die Frage, wie ein teilgenutzter Pkw oder das Arbeitszimmer in der eigenen Wohnung behandelt werden.

Dürfen Bürokosten abgesetzt werden?

Selbständige oder Gewerbetreibende arbeiten heute nicht zwingend aus einem eigenen Ladengeschäft oder Büro heraus. Gerade in den Bereichen E-Commerce oder IT-Dienstleistungen ist das „Homeoffice“ Standard. Ein Arbeitszimmer bringt nicht nur Herausforderungen hinsichtlich der Motivation mit, es birgt auch gewisse Risiken.

Grundsätzlich sind Bürokosten, die durch betrieblich genutzte Räumlichkeiten entstehen, als Betriebsausgabe abzugsfähig. Dies betrifft:

  • Miete
  • Strom
  • Büroeinrichtung
  • PC/Fax/Drucker
  • Verbrauchsmaterial wie Druckertinte oder Toner

Sofern die Räume extra angemietet werden, ist der Abzug in der Regel für Selbständige in der Einkommenssteuer bzw. über die EÜR relativ unproblematisch. Etwas komplizierter wird die Situation oft dann, wenn es um die Abzüge für ein häusliches Arbeitszimmer geht.

Hier hält die Steuergesetzgebung einige Hürden bereit. Auf der einen Seite sollte das Arbeitszimmer – um einen Abzug der Kosten zu rechtfertigen – den Mittelpunkt der beruflichen Arbeit darstellen. Selbständige, die Arbeit mit nach Hause bringen und sich hierfür ein Arbeitszimmer einrichten, müssen mit Fragen vom Finanzamt rechnen.

Hinzu kommt, dass die Räumlichkeit als solche einige Bedingungen erfüllen muss. Einerseits sollte das Arbeitszimmer vom Rest der Wohnung klar getrennt sein. Strittig ist aktuell, wie mit einer Arbeitsecke zu verfahren ist. Parallel sollte der Charakter des Arbeitszimmers auch an der Einrichtung auch zu erkennen sein – es enthält in erster Linie die zum beruflichen Zweck wesentlichen Gegenstände.

Wichtig: Wer ein Arbeitszimmer im eigenen Haus einrichtet, kann:

  • Schuldzinsen
  • Stromkosten
  • Gebäudeversicherungsbeiträge
  • Heizkosten usw.

anteilig auf die Fläche umlegen und über die EÜR als Betriebsausgabe absetzen. Gleichzeitig sollte man sich aber auch hinsichtlich einiger Fallstricke im Klaren sein. Wird das Haus verkauft und hat man beispielsweise Abschreibungen geltend gemacht, ergibt sich aus der Veräußerung ein Aufschlag auf den Gewinn – was unterm Strich bei der Einkommenssteuer überraschend teuer werden kann.

Hinweis: Druckerpatronen und Tinte können auch als Arbeitnehmer abgesetzt werden. Dies ist laut Tonerpartner immer dann der Fall, wenn man seinen privaten Drucker für seinen Arbeitgeber nutzen muss.

Bei der Erstellung der Einkommensteuererklärung lauern viele Stolperfallen. Foto: © yourschantz (CC0-Lizenz)/ pixabay.com
Bei der Erstellung der Einkommensteuererklärung lauern viele Stolperfallen. Foto: © yourschantz (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Steuererklärung allein machen oder doch lieber zum Steuerberater?

An dieser Frage scheiden sich wahrscheinlich die Geister. Grundsätzlich ist eine pauschale Empfehlung hier keinesfalls möglich, da sehr individuelle Rahmenbedingungen eine Rolle spielen. Selbständige, die nur im Nebenerwerb tätig sind und überschaubare Umsätze erzielen, haben ein Interesse an niedrigen Kosten – und werden die Steuererklärung lieber in Eigenregie vornehmen.

Allerdings hat der Steuerberater als Profi diverse Vorzüge. Einerseits erlaubt dieser die Beantragung einer Fristverlängerung für die Abgabe der Steuererklärung. Allgemein sind Selbständige bis Ende Mai nach Ende des Veranlagungszeitraums zur Abgabe der Einkommenssteuererklärung verpflichtet. Durch die Fristverlängerung bleibt bis zum Jahresende Zeit.

Gleichzeitig verfügen Steuerberater über ein fundiertes und weitreichendes Wissen hinsichtlich der steuerrelevanten Sachverhalte. Diverse Kunstgriffe sind Laien unbekannt, für den Steuerberater sind sie dagegen tägliche Routine. Wirklich zu schätzen weiß man den Steuerberater spätestens bei Meinungsverschiedenheiten und Verhandlungen mit dem Finanzamt. Profis sind letztlich eine Entlastung für den Unternehmer und sparen Zeit, die auf das Zusammentragen der Zahlen und Anfertigen der Steuererklärung entfällt.

Fazit: Einkommenssteuer – Pflicht oder Kür für Selbständige

Das Hobby zum Beruf machen – häufig beginnt so der Weg in die Selbständigkeit. Erst spät erkennen Gründer, wie viel Verantwortung das eigene Unternehmen (egal welcher Größe) mit sich bringt. Gerade Steuersachen schieben viele Einzelunternehmer gern vor sich her. Dabei gehört die Einkommenssteuererklärung genauso zur unternehmerischen Tätigkeit wie die Akquise neuer Kunden oder das Verkaufen von Produkten.

Es ist durchaus angebracht, bereits früh den steuerrechtlichen Sachverhalten hohen Grad an Organisation beizumessen. Und sich Unterstützung in Form eines Steuerberaters zu suchen. Auch wenn dieser Geld kostet – er sorgt in jedem Fall für eine spürbare Entlastung.

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