Italienische Landschaft der Romantik.

Das Sehnsuchtsland Italien – eines der beliebtesten Reiseziele der Welt, ein häufig gebrauchtes Werbeattribut und ein viel versprechender Bild- und Buchtitel, war bereits Anfang des 19. Jahrhunderts ein...

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Das Sehnsuchtsland Italien – eines der beliebtesten Reiseziele der Welt, ein häufig gebrauchtes Werbeattribut und ein viel versprechender Bild- und Buchtitel, war bereits Anfang des 19. Jahrhunderts ein Besuchermagnet. Im frühen 18. Jahrhundert erkundeten noch überwiegend Adelige „touristisch“ das Land, meist im Rahmen einer „Grand Tour“. Später drängte es auch bürgerliche Kulturinteressierte in Richtung Süden: Bildungs- und Vergnügungsreisende, Sammler, Forscher und natürlich Künstler – Architekten, Bildhauer, Maler ebenso wie Schriftsteller – auf der Suche nach neuen Erfahrungen und Inspirationen, nicht selten zudem auf der Flucht in den Mythos und die Idylle eines vermeintlichen Arkadiens.

Auch Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785–1871), ein sächsisch-preußischer Standesherr und geistvoller Visionär, übte sich in Italien als Reiseschriftsteller. Seine Leidenschaft galt ebenso der Gartenkunst – und zwar zu einer Zeit, als die italienische Landschaft zu einem neuen Ideal von Landschaftsgärten wurde, die sich von England über ganz Europa ausbreiteten. Zielstrebig plante und errichtete der Fürst von 1815 bis 1845 den Muskauer Park, seit 2004 Welterbe der UNESCO. Die Fläche eines der größten Landschaftsgärten Europas ist durch weitläufige Wiesen, ehrwürdige Bäume, geschwungene Wege, pittoreske Seen und Flüsse, majestätische Brücken und Bauten abwechslungsreich geschmückt. Nicht verwunderlich, denn das Gartenkunstwerk des Fürsten war ausdrücklich als eine Art Museum angedacht: „Ein Park muss wie eine Gemäldegalerie sein, alle paar Schritte soll man ein neues Bild sehen“.

Der Park und sein architektonisches Zentrum, das Neue Schloss, bilden somit einen idealen Ort für die Sonderausstellung, in der die Darstellung und Wahrnehmung Italiens durch Schriftsteller und bildende Künstler in einen unmittelbaren Dialog gebracht werden. Zu sehen sind 23 Meisterwerke – lichtvolle Landschaftsbilder von Malern wie Jakob Philipp Hackert, Ludwig Richter, Ernst Ferdinand Oehme, Carl Rottmann und Carl Blechen. Ihre Motive – Tivoli, Ariccia und die römische Campagna, Amalfi, Capri und die Bucht von Neapel – stellen die italienische Landschaft par excellence vor. Zum größten Teil handelt es sich um Gemälde deutschsprachiger Künstler. Einige von ihnen zählen zu den Fixpunkten der ständigen Ausstellung im Dresdner Albertinum, andere hingegen konnten bislang noch nie der Öffentlichkeit präsentiert werden. Durch grundlegende Restaurierungsmaßnahmen wurde es nun erstmals möglich, dieses ebenso wertvolle wie facettenreiche Konvolut kunsthistorisch zu erschließen und in den Kontext seiner Entstehungszeit (circa 1780 bis 1840) zu stellen.

Gerade zur Zeit der Romantik befand sich in Deutschland die Malerei in besonders enger Verbindung mit der Literatur. Einer der wichtigste Ausgangspunkte solcher gemalten und geschriebenen Projektionen der südlichen Gefilde, Goethes „Italienische Reise“, wurde in Teilen 1816 erstmals publiziert. Die Veröffentlichung jährt sich 2016 zum 200. Mal – ein weiterer Anlass, beide Disziplinen zur Anschauung zu bringen bzw. zu Wort kommen zu lassen. Ausgewählte Texte dieses Klassikers sowie seiner Zeitgenossen, die ebenfalls Italien bereisten, darunter Johann Gottfried Seume, Madame de Staël oder Wilhelm Waiblinger, geben die Möglichkeit, die italienische Landschaft gattungsübergreifend zu erleben.

Die Literatur wird auch außerhalb der Ausstellungsräume über das breitgefächerte Rahmenprogramm in Bezug zur Malerei gesetzt. Zahlreiche Veranstaltungen, u. a. Autorenlesungen von Ingo Schulze und Klaus Müller, musikalische Aufführungen, Lesungen mit Albrecht Goette, Tom Quaas und André Kaczmarczyk sowie kunsthistorische Vorträge vermitteln die Faszination der Romantik vor einer malerischen Landschaftskulisse.

Zur Sonderausstellung erscheint ein Katalog im Sandstein Verlag Dresden (in deutscher und in polnischer Fassung), mit Beiträgen von Andreas Dehmer, Stephan Dahme und Ingo Schulze.

Wir verlosen zwei Bücher „Italienische Landschaften“

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Einsendeschluß ist der 20. Mai 2016. Rechtsweg ausgeschlossen.

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