Lausitzer Schrei

Am Anfang war das Bild Oder: Lausitzer Schrei aus gerissenem Ton. Ich möchte Bilder sprechen lassen, denn das Wort hat einen Makel – es hat Leerstellen; zwischen den...

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Am Anfang war das Bild

Oder: Lausitzer Schrei aus gerissenem Ton.

Ich möchte Bilder sprechen lassen, denn das Wort hat einen Makel – es hat Leerstellen; zwischen den Buchstaben beispielsweise, aber auch ganz tief in seiner mit so wenigen Strichen vorgezeichneten Sinnlastigkeit. Und der Text, den zu schreiben ich in der Lage bin – auch er hat Leerstellen. Sie liegen offen zwischen den Worten, zerbröseln die Flächen, sind farblose Atempausen. Und es liegt mir fern zu glauben, ich könnte mit einer solch lückenhaften Expression die Gänze der Malerei und Bildhauerei einfangen – jenes Ganze, das Jörg Tausch in seiner Arbeit als Stuckateur und freischaffender Künstler zu erschaffen vermag, und mit dem er so vielen der unterschiedlichsten Ansprüche an einen Urheber gerecht wird.

Ich war bei ihm. Ich habe die Kunst von Jörg Tausch gespürt. In meinen Augen haben die Farben seiner sagenhaften Bilder gefunkelt. An meinen Fingern hat der Fels seiner ehrlichen Skulpturen sich weich geschmiegt und schreiend gerissen. Jörg Tausch nimmt mit aller Kraft Bezug zu den Menschen. Kein Zentimeter seines Hof-Ateliers im Schleifener Ahnungsrevier einer baldigen Tagebaukante ist frei von Geschichten. Dicht an dicht drängen hier Sinn und Substanz.

Wichtige Entscheider holten den herzblütigen Lausitzer auf so manche Baustelle: am Bautzener Rathaus und in der Reichenstraße, an der Weigangschen Villa und beim Wittichenauer Krabatdenkmal, war Tausch an Restaurationsarbeiten beteiligt; bei Arbeiten am Brandenburger und am Charlottenburger Tor, am Observatorium und im Pergamonmuseum in Berlin war sein Können gefragt(um nur einige zu nennen). Im Hoyerswerdaer Schlossmuseum hängt ein Acryl-Gemälde über die Sagen der Sorben. Derzeit bietet ihm die Restauration der Ornamente des Stadtpalais von Prinz Eugen in Wien nach eigenen Entwürfen die einmalige Gelegenheit, Kunstverstand und bildnerische Meisterhand an einem kulturgeschichtlich vollkommenen Zweck nützlich zu machen.

Und bald schon darf das Sorbische Kulturzentrum in Schleife sich über zwei Relief-Tafeln heimischen Brauchtums freuen. Tausch möchte einen traditionellen Generationenkreis schließen. Er möchte den gewaltigen Baggern und dem schleichenden Vergessen entgegenwirken, wenn er Grundschüler an seiner Arbeit beteiligen, und sie die überlieferten Muster der prächtigen Trachten ausmahlen lassen wird. In diesen Tagen wird Jörg Tausch wieder ganz bei den Menschen seiner Heimat sein, bei ihren starken Wurzeln… und bei den seinen…

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