Medizinisches Cannabis in Deutschland

Bildrechte: Flickr Seit 2009 erhalten Patienten in Deutschland in Ausnahmefällen Cannabis für medizinische Zwecke. Seitdem hat sich die Zahl der Patienten zunehmend vergrößert, wodurch immer mehr Menschen das...

553
553
Cannabis bonsai plant Naberacka. Bildrechte: Flickr
Bildrechte: Flickr

Seit 2009 erhalten Patienten in Deutschland in Ausnahmefällen Cannabis für medizinische Zwecke. Seitdem hat sich die Zahl der Patienten zunehmend vergrößert, wodurch immer mehr Menschen das eigentlich verbotene Kraut legal erwerben dürfen.

Im vergangenen Jahr erweiterte das Kölner Verwaltungsgericht zudem die Rechte von Patienten. Drei Klägern wurde es erlaubt, Cannabis zur Behandlung ihrer chronischen Erkrankung selbst anzubauen. Das Gericht erklärte, dass Patienten, wenn sie alle Möglichkeiten ausgeschöpft hätten und sich medizinisches Cannabis aus der Apotheke nicht leisten könnten, es notfalls selbst anbauen dürften.

Erste Unternehmer kündigten nun an, in der Nähe von Hannover, Cannabis für medizinische Zwecke anbauen zu wollen. Die Gruppe rund um Jürgen Scholz hat dazu 50.000 Quadratmeter Ackerfläche erworben und bemüht sich nun um eine offizielle Erlaubnis für ihr Pioniervorhaben – notfalls wollen sie dafür vor Gericht gehen.

Derzeit ist die gesetzliche Lage noch an der Grenze zur Absurdität. Cannabisprodukte dürfen zwar verschrieben und verabreicht werden, müssen dazu aber aus einem Land importiert werden, in dem der Anbau legal ist. Denn bisher ist der Anbau von Cannabis in Deutschland strengstens verboten, allerdings sind die dafür nötigen Samen und die Ausrüstung frei und legal für jedermann erhältlich. Diese rechtlichen Lücken müssen nach Meinung von Jürgen Scholz korrigiert werden – nach Möglichkeit zugunsten der legalen Nutzung.

Medizinisches Cannabis ist nach wie vor umstritten. Im Vordergrund stehen die Bedenken eines möglichen Missbrauchs infolge einer Legalisierung. Laut der Website sensiseeds.com muss bei der medizinischen Nutzung von Cannabis jedoch zwischen zwei verschiedenen Begriffen unterschieden werden – therapeutischer und anteilnehmender Nutzung. Von therapeutischer Nutzung spricht man, wenn Patienten Produkte verschrieben bekommen, die auf Cannabis basieren. Das können Extrakte, Kapseln oder spezielle Derivate sein, also Medikamente die getestet und zugelassen wurden. Bei einer anteilnehmenden Nutzung konsumieren Patienten hingegen Cannabis ohne ärztliche Aufsicht und überwachen den Verlauf ihrer Therapie selbst. Das ist häufig bei unheilbaren Krankheiten der Fall, in denen Cannabis das Leiden der Patienten lindern soll. In der Kritik steht hauptsächlich die anteilnehmende Nutzung, da diese Form weniger stark reguliert werden kann und somit anfälliger für Missbrauch ist.

Als medizinische Hauptwirkstoffe von Cannabis gelten Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). THC hat eine berauschende Wirkung und ist der Hauptgrund, warum das Kraut als Droge gilt. CBD hingegen wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd, wodurch es sich besonders gut für medizinische Zwecke eignet. Zumal es bereits zahlreiche Anwendungsgebiete für Cannabis gibt, die einen therapeutischen Nutzen der Pflanze belegen.

Cannabis soll beispielsweise die Bronchien erweitern, wodurch das Leiden von Asthmatikern gelindert werden kann. Bei Krebspatienten in Chemotherapie wird es gegen Appetitlosigkeit, Schmerzen und starke Übelkeit eingesetzt. Cannabidiol kann zudem den Augeninnendruck senken, wodurch Menschen mit Grünem Star vor der Erblindung bewahrt werden können.

Bildrechte: Flickr Cannabis bonsai plant Naberacka CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Auch Interessant

In diesem Beitrag