Online Casinos im Aufwind nach Spielhallen „Game Over“

Die fünfjährige Frist welche der Glücksspielstaatsvertrag Spielhallenbetreibern eingeräumt hat um die nötige Erlaubnis einzuholen ist im letzten Jahr verstrichen. Von den 402 in Sachsen vorhandenen Zockerbuden haben nur...

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Die fünfjährige Frist welche der Glücksspielstaatsvertrag Spielhallenbetreibern eingeräumt hat um die nötige Erlaubnis einzuholen ist im letzten Jahr verstrichen. Von den 402 in Sachsen vorhandenen Zockerbuden haben nur 170 eine glücksspielrechtliche Erlaubnis erhalten.

171 Spielhallen konnten die Auflagen welche für diese Genehmigung nicht erfüllen und erhielten keine Betreiberlizenz. In 51 Fällen war das Verfahren hinfällig, da eine freiwillige Betriebsaufgabe oder ein Besitzerwechsel vorlag. Von 10 Spielhallen gab es keinen Antrag. Das neue Gesetz schreibt unter anderem vor, dass der Abstand zwischen zwei Spielhallen mindestens 250 Meter betragen muss. Die gleiche Distanz gilt auch von Zockerbude bis zur nächsten allgemeinbildenden Schule. Außerdem wurden Mehrfachspielhallen abgeschafft. Laut Gesetzgeber dürfen in einer Spielhalle maximal 12 Geldspielautomaten installiert sein. Oftmals wurde dies in der Vergangenheit umgangen indem man mehrerer Betreiber und somit auch Lizenzen unter einem Dach hatte. In gastronomischen Betrieben sind bis zu 3 Automaten erlaubt. Diese sind auch nicht von der 250-Meter Regulierung betroffen. Allerdings darf von den Gastronomen keine Werbung für die Automaten an der Außenseite gemacht werden.

Von der Schließung der Spielhallen sind weit über 1000 Arbeitnehmer betroffen. Daneben verliert das Land auch einen nicht unerheblichen Betrag an Steuereinnahmen, da nicht nur die Vergnügungssteuer wegfällt, sondern eben auch alle mit dem Betrieb einer solchen Spielstätte verbundenen Steuern und Gebühren.

Regelung gegen Suchtgefahr

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung führte eine repräsentative Erhebung zur Spielsucht durch. In dieser erklärt die Behörde die Zahl der Menschen zwischen 16 und 70 Jahren welche in Deutschland als pathologische und/oder problematische Spieler gelten auf knapp unter einer halben Million. Laut der sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahr beläuft sich die Anzahl im Freistaat Sachsen auf 5.000 – 15.000.

Die neue Regelung soll eben unter anderem zu einer Verringerung dieser erschreckend hohen Zahlen führen. Dass nicht alle Bundesländer hinter dem Gesetz stehen sieht man daran, dass es in vielen Städten und Gemeinden Ausnahmeregelungen gibt. Das Bayerische Innenministerium hat sogar ein Papier verabschiedet, welches den Spielhallen eine Option mit etwas strengeren Auflagen bietet, die Spielhallen die nächsten vier Jahre mit relativ wenig Einschränkungen weiterzubetreiben.

Treibt das Spielhallen-Aus die Zocker in die Online Casinos?

In wie weit das Gesetz nun wirklich die Gefahr der Spielsucht einschränkt oder Jugendliche und Heranwachsende schützt ist unklar. Von dem Onlinemagazin Casinospezialist ist zu erfahren, dass sich im Jahr 2017 ein deutlicher Auftrieb bei den Online Casinos eingestellt hat. Ob dies nun mit der bundesweiten Schließung von tausenden Spielhallen zu tun hat oder eben eine normale Entwicklung im Zeitalter der Digitalisierung ist kann man nicht definitiv sagen.

Eines gilt jedoch als sicher: Online Casinos haben mehr Zulauf als jemals zuvor. Dabei befindet man sich legal in einer Grauzone. Online Glücksspiel ist in Deutschland mit der Ausnahme von wenigen Lizenzen in Schleswig-Holstein nicht erlaubt. Allerdings werden die Online Casinos generell nach EU Richtlinien reguliert. Die meisten Betreiber von diesen virtuellen Spielbanken haben ihren Sitz auf der Mittelmeerinsel Malta und können daher völlig legal in Europa betrieben werden. Zudem gibt es auch noch Gibraltar welches ja bekanntlich von Großbritannien verwaltet wird. Auch hier sind einige der großen Online Casino Betreiber und Wettbüros ansässig. Allerdings muss man abwarten wie sich der Brexit auf diese Lizenzen und den legalen Betrieb der virtuellen Spielhallen in der Europäischen Union auswirkt. Schon Mitte des vergangenen Jahres gaben einige Unternehmen bekannt mit einer Verlegung ihres Geschäftes nach Malta zu liebäugeln.

Die meisten Online Casinos in Europe bieten auf ihren Webseiten eine komplett Deutsche Version an. Viele besitzen sogar einen 24/7 kostenlosen Kundendienst auf Deutsch. Anders als bei den Spielhallen in den Städten und Gemeinden wird es sicherlich schwerer fallen hier von Seiten des Bundes und der Länder die Kontrolle zu behalten.

Da vor allem die jüngeren Menschen ohnehin im Internet unterwegs sind ist die Hemmschwelle in einem Online Casino zu zocken sicherlich niedriger als der Besuch in der Spielhalle.

 

Was ist das Interessante im Online Casino

Ohne Wenn und Aber ist die Auszahlungsquote in den virtuellen Spielhallen um einiges höher als bei Spielotheken oder den staatlichen Spielbanken. In der Regel werden über 96% aller eingezahlten Beträge wieder an die Spieler zurückgezahlt. Selbst die Chance bei einem Spielautomaten mit progressiven Jackpot Millionen zu gewinnen ist um ein vielfaches besser als bei den staatlichen Lotterien.

Die meisten Online Casinos bieten ihren registrierten Mitgliedern mehrere hundert Automaten an. Daneben kann man sich ebenso an den klassischen Casinospielen wie Roulette oder Poker Vergnügen.

Die meisten Geldspielautomaten kann man sogar komplett kostenlos testen und danach entscheiden ob man sein hart erspartes setzen möchte oder sich einfach ein paar andere Automaten ansieht. Mittlerweile sind die meisten Anbieter auch mit dem Handy von unterwegs erreichbar. So kann man im Wartezimmer beim Zahnarzt oder auf dem Weg zur Arbeit im Zug ein paar Runden spielen.

Der neueste Trend in den virtuellen Spielbänken ist das Live Casino. Hier spielt man per Live Stremm in HD mit professionellen Dealern und Croupiers. Man kann diesen nicht nur bei der Arbeit zusehen, sondern sogar mit ihnen Chatten.

Viele aus den Spielotheken bekannte Geldspielautomaten gibt es zudem auch in der Online Version. Der Spielablauf ist der gleiche, die Grafiken und Symbole sind identisch, der Sound und die Auszahlungsquoten jedoch um einiges besser.

Dass es für Online Casinos eine bessere Kontrolle geben muss um vor allem junge Menschen zu schützen steht außer Frage. Allerdings muss auch ganz klar festgestellt werden, dass Aufklärung anstatt nie endender Diskussion und erneuter Gesetzesänderungen besser zum Ziel führt. Ein Blick auf Nordeuropa und England wo Zocken und Wetten eine seit Generationen in der Kultur der Länder fest verankerte Tradition ist zeigt, dass man verantwortungsvoll mit diesem Thema umgehen kann ohne im Paragraphensumpf der Gesetze zu ertrinken.

 

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