Rücktritt in Schande, Farce für die Republik

Hätte, wäre, wollte, könnte: Der Konjunktiv spielt eine große Rolle in der Affäre Wulff. Für die Geschichtsbücher wird er der schlechteste deutsche Bundespräsident der Nachkriegszeit werden. Blass in...

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Hätte, wäre, wollte, könnte: Der Konjunktiv spielt eine große Rolle in der Affäre Wulff. Für die Geschichtsbücher wird er der schlechteste deutsche Bundespräsident der Nachkriegszeit werden. Blass in seiner Amtsführung, umstritten in seinen Aussagen, zweifelhaft in seiner Aufrichtigkeit. Und dennoch: Bewiesen ist zurzeit nichts. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen das ehemalige Staatsoberhaupt aufgenommen. Und auch hier hat Wulff wieder einmal alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann.

Hätte er auf den großen Zapfenstreich verzichtet und die Zahlung des Ehrensoldes von den Ergebnissen der Ermittlungen abhängig gemacht – in ein paar Monaten hätte er, reingewaschen von allen Zweifeln, als moralischer Gewinner aus einer Hetzkampagne gegen ihn hervorgehen können. Niemand in der Bevölkerung hätte ihm dann den viel zu hohen Ehrensold übelgenommen, und nicht einmal den Dienstwagen, das Büro und das Personal hätte man ihm als Opfer verwehrt.

Wulff hat es, wieder einmal, anders gemacht. Er beharrte auf dem Großen Zapfenstreich, mehr noch: Er ließ sich mit einem vierten Lied auch noch eine Extrawurst braten, die eine weitere schattenhafte Symbolik auf die Person Wulff wirft. Was für ein Charakter muss sich hinter diesem Paradeschwiegersohn machen, der es geschafft hat, sich nun endgültig zur Persona non grata zu machen? Ist es das absichtliche Treten in die teuerstmöglichen Fettnäppchen Deutschlands? Ist Christian Wulff intellektuell schlichtweg damit überfordert, die Folgen seines Handelns abzuschätzen? Oder ist er ganz einfach ein Raffke vom Stamme Nimm, der den Hals nicht vollkriegt? Einmal mehr hat der Niedersachse bewiesen, dass er der Ehre des höchsten deutschen Staatsamtes nicht im Ansatz genügen konnte.

Mit seinem ehrlosen Verhalten erzeugt Wulff noch einen anderen Effekt: Er brüskiert massiv diejenigen, die ihm zu dem Luxusamt verholfen haben. Hätte er seine Altersversorgung an den Ausgang der Ermittlungen gegen ihn gekoppelt, wäre auch Angela Merkel damit entlastet worden. So, wie er es gemacht hat, schadet er allen. Im Ergebnis sind mehr als die Hälfte der geladenen Gäste dem Großen Zapfenstreich fern geblieben. Ehrwürdige Männer wie die ehemaligen Bundespräsidenten wollten mit der Farce vor dem Schloss Bellevue nichts zu tun haben. Sein Amtsvorgänger Köhler, ebenfalls ein Amtsflüchtling, hatte die Größe, auf den Ehrensold zu verzichten – so etwas ist Wulff, dem Busenfreund der Bosse, vollkommen fremd.

Dass in einem einzigartigen Protest vor dem Schloss die „Schande, Schande“-Rufe und das Tröten der Vuvuzelas während der unwürdigen Verabschiedung nicht verstummten, stimmt zumindest hoffnungsfroh. Der Protest der rund 250 Menschen vor dem Amtssitz des Bundespräsidenten ist eigentlich verboten. Die Sicherheitsbehörden haben klug daran getan, die Protestler nicht des Platzes zu verweisen. Die lauten Wutbürger vor dem Schloss waren am Donnerstagabend die einzigen, die der überwältigenden Mehrheit der Deutschen eine laute Stimme verliehen haben. Die Aussage war deutlich: Politiker, ihr dürft diesen Irrweg nicht weitergehen. Es steht uns „Oberkante Unterlippe.

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