Unversöhnliche Kulturen

Der 11.September 2001 wird als einer der schwärzesten Tage im Kalender bestehen bleiben. Der Stachel „Nine Eleven“ sitzt nicht nur tief im Fleisch der amerikanischen Nation, sondern in...

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Der 11.September 2001 wird als einer der schwärzesten Tage im Kalender bestehen bleiben. Der Stachel „Nine Eleven“ sitzt nicht nur tief im Fleisch der amerikanischen Nation, sondern in der gesamten westlichen Welt. Dass über fast zehn Jahre alles daran gesetzt wurde, den Teufel in Menschengestalt namens Osama bin Laden zu suchen und zu exekutieren, ist menschlich absolut nachvollziehbar. Ohne die Wahnsinnstaten der al-Qaida in irgendeiner Form rechtfertigen zu wollen, muss man sich dennoch unbequeme Fragen stellen. Wie kommt es zu derart extremen terroristischen Gedankengut? Was reizt jemanden daran, sich in den Dienst des Bösen zu stellen und zum Selbstmord-Attentäter zu werden? Warum konvertieren junge Menschen mit abendländisch geprägter Erziehung zum Islam und lassen sich in Terror-Camps zu „Gotteskriegern“ ausbilden, um in den „Heiligen Krieg“ gegen den Westen zu ziehen?

Es ist der Kampf der Kulturen, der zwischen Orient und Okzident mit aller Brutalität ausgetragen wird. Aus unserem eigenen Selbstverständnis heraus ist es nicht nachvollziehbar, warum eine Minderheit von Islamisten gegen Freiheit, Demokratie und Gleichberechtigung mit aller Härte, Brutalität und Grausamkeit zu Felde zieht. Soweit unsere Sichtweise. Aus der Perspektive islamischer Fundamentalisten sieht die Welt anders aus. Sie sehen die Traditionen ihrer Glaubensgemeinschaft durch eine „Verwestlichung“ gefährdet. Aus Sicht der Islamisten beten Muslime zu Allah, der Westen zum Geld. Sowohl der Westen als auch der Osten sind expansiv geprägt. In erster Linie ist es Amerika, das überall auf der Welt seine handfesten wirtschaftlichen Interessen durchsetzen will: Es geht um Bodenschätze, Kriegsgerät, Börsenkurse, statt um eine „Demokratisierung“ nach westlicher Lesart. Unter Zuhilfenahme aller Bündnisse und Organisationen wird versucht, die „westliche“ Lebensweise zur universellen Regel zu erklären. Unabhängig davon, ob die orientalischen Gesellschaften, allzu häufig selbst untereinander vollkommen zerstritten, überhaupt demokratisiert und gleichberechtigt werden wollen oder nicht. Die „islamistische Welt“ hat eine andere Art der Expansion gefunden. Sie hat unsere Schwäche erkannt und nutzt sie für ihre Interessen.

Vielen jungen Menschen in unserem Kulturkreis fehlen Halt, Richtung und Ziel. Westliche Regierungen verstoßen gegen die Gesetze, die sie selbst gemacht haben. Kirchen erreichen ihre Mitglieder nicht mehr, haben ihre Rolle als moralische Instanz verloren. In der absoluten Zuspitzung werden Kinderschänder aus den eigenen Reihen gegen deren Opfer verteidigt. Intakte Familien sind schon fast die Ausnahme statt der Regel: Unsere Schwäche ist unser Werteverfall. „Demokratie“ ist allzu oft nur eine abgeschmackte Phrase im Tanz um das Goldene Kalb. Junge Menschen auf der Sinn-Suche können deshalb leicht den vermeintlichen Heilsbringern aufsitzen. Ihre Radikalisierung erfolgt dann psychologisch geschickt in Etappen, eingebettet in eine feste Gemeinschaft, die die westlichen Staaten vermeintlich nicht mehr bieten können.

Durchbrechen kann man diese höllische Spirale der Gewalt nur durch eines: Miteinander reden, aufeinander zugehen und die Lebensweise des anderen achten, ohne sie missionieren zu wollen! Und zwar ohne die Gefahr auszublenden, die von radikalen islamistischen Fundamentalisten ausgeht.

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