Was Vorra und Bautzen gemeinsam haben

„Brandanschlag … nicht fremdenfeindlich motiviert“ – Diese Überschrift war vorige Woche in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zu lesen. Wer jetzt in Bautzen ganz spontan an den „Husarenhof“ denkt,...

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„Brandanschlag … nicht fremdenfeindlich motiviert“ – Diese Überschrift war vorige Woche in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zu lesen. Wer jetzt in Bautzen ganz spontan an den „Husarenhof“ denkt, wird jedoch enttäuscht sein. Es ging dabei um Vorra in Mittelfranken. Diese kleine Gemeinde aus dem Nürnberger Land machte im Dezember 2014 bundesweit so große wie böse Schlagzeilen. Folgt man der „FAZ“, begann damals dort „eine Serie ähnlicher Attentate auf Flüchtlingsheime“. Alles habe auf eine Tat von Neonazis hingedeutet, daran erinnert die Zeitung. Um dann jedoch zu resümieren: „Anderthalb Jahre später sieht das anders aus.“

Warum der „Bautzener Bote“ darüber schreibt? Nun, vor allem, weil es da manch Vergleichbares gibt. Aber auch, weil andere es nicht tun. Rund 18 Monate standen die Einwohner von Vorra unter dem Generalverdacht, aus ihrer Mitte hätte jemand aus purem Ausländerhass eine für Asylbewerber gedachte Unterkunft angezündet. Was das für eine Gefühlslage ist, können Bautzener nur zu gut nachempfinden.

Wie sich nun herausstellte, haben in Vorra ein mit der Sanierung des Objektes beauftragter Bauunternehmer und einer seiner Mitarbeiter das Feuer gelegt, um, salopp gesagt, Schlamperei am Bau zu kaschieren. Nazi-Schmierereien wurden als falsche Spuren fabriziert. Worauf die Medien auch sofort ansprangen. Das funktioniert reflexhaft wie beim bekannten Pawlowschen Hund. Letztlich spielten jedoch „rein wirtschaftliche Erwägungen“ eine Rolle. Es gab und gibt nach Lage der Dinge in Vorra keinen rechtsextremistischen Hintergrund. Spricht man mit Bautzenern, ist oft von ähnlichen Vermutungen die Rede. Wer ohne Scheuklappen durch den Tag geht, schließt ja ein fremdenfeindliche Aktion bestimmt nicht aus, ebenso wenig aber die Möglichkeit eines Versicherungsbetruges oder gänzlich andere Beweggründe.

Was den Fall Vorra anbelangt, sitzen nun zwei Männer als mutmaßliche Täter (wir wollen nicht vorverurteilen, das tun andere) in Untersuchungshaft. Ein Geständnis liegt wohl noch nicht vor, geschrieben wird jedoch von einem dringenden Tatverdacht. Man scheint sich der Sache sicher zu sein. Der Polizeipräsident höchstselbst verkündete den Fahndungserfolg. Er sagte bei einer Pressekonferenz laut „FAZ“, endlich sei der Verdacht ausgeräumt, „Wutbürger aus den eigenen Reihen“ könnten die Brandanschläge (es betraf gleich drei Gebäude/hgp) begangen haben.

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Brandruine des Husarenhofes Ende Juni 2016. Foto: BautzenerBote

Wer wünscht sich nicht, aus Bautzen werde auch mal so berichtet. Die Ermittlungen zu den Ursachen des Brandes am Käthe-Kollwitz-Platz waren kürzlich ja einige Tage das Gesprächsthema Nr. 1 in der Stadt und weit darüber hinaus. Das wurde zum Beispiel von der „Sächsischen Zeitung“ recht schnell als Spekulation abgetan und nicht weiter verfolgt. Der Berliner „Tagesspiegel“ schrieb sogar mit Blick auf eine CDU-Veranstaltung jener Tage vom „Versuch einflussreicher Kommunalpolitiker in Bautzen, die Ereignisse vom Februar zu relativieren“. Andererseits konnte man in dem Berliner Artikel lesen, dass die Gutachter des Landeskriminalamtes „kürzlich ein Gespräch mit dem Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens geführt“ hatten. Und in diesem sei die Aussage getroffen worden, bei den Ermittlungen werde nicht mehr ausschließlich von einem politischen Motiv ausgegangen. Es gebe mehrere mögliche Motive für die Tat.

Was etwas erstaunt: Der SPD-Bürgermeister von Vorra zeigte sich laut „FAZ“ von der neuesten Wendung in Sachen Brandanschlag „überrascht“. Zum Hinweis der Polizei, dass es nun doch keine ausländerfeindlichen Motive eine Rolle gespielt haben, wollte er sich nicht äußern. Hatte sich da jemand zu weit aus dem Fenster gelehnt? Gut, von Bautzen aus gesehen ist das eine reine Vermutung. Wenigstens der evangelische Gemeindepfarrer findet passende Worte: „Zu wissen, dass der Brand keinen rechtsradikalen Hintergrund hat, tut uns in Vorra gut.“

Darauf mussten die Bayern (oder besser: Franken) allerdings eineinhalb Jahre warten! Bautzen täte es gut, die Aufklärung des „Husarenhof“-Brandes würde nicht so lange dauern.

Hans-Georg Prause

Wer selbst die „FAZ“-Beiträge vom 23. und 24. Juni nachlesen möchte:

http://www.faz.net

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