Willy Wimmer, „WsD“ und der 1. Mai

Willy Wimmer war kürzlich in Bautzen. Zum zweiten Mal. Eingeladen hatte ihn „Wir sind Deutschland“ (WsD) erneut zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion. Diese Veranstaltung wurde allein von...

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Willy Wimmer war kürzlich in Bautzen. Zum zweiten Mal. Eingeladen hatte ihn „Wir sind Deutschland“ (WsD) erneut zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion. Diese Veranstaltung wurde allein von Herr Drews, seiner Familie und seinem Team initiiert, organisiert und durchgeführt.
Ebenso verhielt es sich bei der Veranstaltung vom letzten Dezember, bei der Herr Drews und die Initiative sich kennenlernten.
Die Initiative „Wir sind Deutschland“ ist Herrn Drews sehr dankbar für seine Unterstützung, ohne die vieles und vor allem die sehr guten Rahmenbedingungen nicht möglich wären.
Herr Drews begrüßte persönlich den Gastredner. Veranstalter und Besucher im Saal des Hotels „Residence“ erhofften sich von dem politischen Insider erläuternde Ausführungen zur aktuellen Weltlage.

Willy Wimmer, wer? Nun, im Zeitalter von You Tube werden politisch interessierte junge Leute den mittlerweile 73-Jährigen vielleicht in jenem Video gesehen haben, das Furore machte: Bei einer Art Gesprächsforum in Russland antwortete er in der lockeren Runde auf die Wortmeldung eines russischen Teilnehmers und seine Worte übersetzte – spontan und simultan – kein anderer als der anwesende Präsident Wladimir Putin. Bereits etwas älteren Menschen ist Willy Wimmer als langjähriges Mitglied des Bundestages bekannt. Nun erarbeitet sich dort selbst in über drei Jahrzehnten nicht jeder zwangsläufig einen Namen. Aber wer als verteidigungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion und Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium öffentlich Stellung nimmt gegen die Beteiligung der Bundeswehr am sogenannten Jugoslawien-Krieg , der macht durchaus von sich Reden. Laut Wikipedia gehört er 1999 zu jenen deutschen Politikern, die sich gegen eine militärische Beteiligung Deutschlands am Kosovo-Krieg aussprachen. Wimmer bezeichnete das als einen „ordinären Angriffskrieg“ und warf insbesondere Außenminister Joschka Fischer von den Grünen und Verteidigungsminister Rudolf Scharping von der SPD schwerwiegende Manipulation vor.

So eine integre Haltung ist für alle Menschen, die aktuell den Frieden in Europa erneut bedroht sehen, natürlich eine Empfehlung. Willy Wimmer trat zwar 2009 nicht mehr zur Bundestagswahl an, doch das war für ihn kein Abschied von der Politik. Persönliche Kontakte zu Politikern von damals und heute zu pflegen, gehört dazu. Zu aktuellen Entwicklungen Stellung zu beziehen, ebenso. Dass sein Name trotzdem nicht in den großen Zeitungen auftaucht, die ihren Lesern doch so gern die Welt erklären, liegt weniger an ihm, als an diesen. Und so entdeckte Willy Wimmer das Internet und das kam zu ihm. Ganz zeitgemäß äußert er sich heutzutage auf dessen Kanälen, also etwa bei KenFM, Sputnik oder RT Deutsch. Bei der jüngsten Bautzener Veranstaltung in einem bis auf den letzten Platz besetzten Saal merkte man ihm allerdings an, wie gern er das direkte Gespräch mit seinen Zuhörern sucht. Diese wiederum waren davon angetan, keinem trockenen Vortrag folgen zu müssen, sondern an einer teils launigen Plauderei teilnehmen zu können.

Die Themen allerdings ließen keine gute Laune aufkommen. Säbelrasseln der NATO auf das Bitten ihrer osteuropäischen Mitgliedsstaaten nahe der Grenze zu Russland – ein Spiel mit dem Feuer, das jede folgenschwere Provokation möglich macht. Man müsse Putin nicht lieben, aber solle versuchen, ihn besser zu verstehen. Die Flüchtlingskrise ist hausgemacht – wer hat denn den Krieg nach Syrien gebracht? Das militärische Eingreifen der USA und ihrer Verbündeten sorgte für nichts als Leid und Zerstörung. Auch die Folgen der Globalisierung waren seit Jahren absehbar. Nur das Wort „Wirtschaftsflüchtlinge“ musste noch geprägt werden. Und Europa? Wer das Schengen-Abkommen außer Kraft setzt, also den Schutz der Außengrenzen auf gibt, muss sich nicht wundern, wenn der Ruf nach Nationalstaatlichkeit laut und auch erhört wird.

Und TTIP? Nach aktuellsten und repräsentativen Erhebungen sind nur 17 Prozent der im Auftrag der Bertelsmann Stiftung befragten Deutschen für dieses Abkommen der Europäer mit den USA. „In der Exportnation Deutschland gerät die Idee des Freihandels indes weiter unter Druck“, schrieb am Tag nach dem Vortrag von Willy Wimmer die „FAZ“. Ihn wird das nicht überrascht haben. Er sieht das aktuelle transatlantische Verhältnis insgesamt sehr kritisch.

Dass Zehntausende den Besuch des US-Präsidenten Obama auf der Hannover Messe zum Anlass für Protestdemonstrationen nahmen, dürfte seine Zustimmung gefunden haben. Er glaubt daran, dass dieses öffentliche Auftreten der Menschen nicht ohne positive Folgen bleibt, auch wenn das nicht immer so deutlich wird. Der Ukraine-Konflikt ist für ihn so ein Beispiel. Was wohl heißen soll: Es hätte dort schlimmer kommen können, als es jetzt schon ist. Es war wohl hilfreich, dass die Einmischung des Westens öffentlich wurde. Als Politinsider wird er wissen, wovon er spricht. Und er weiß aus langer Erfahrung, dass die Parteien und die Regierung auf Dauer den Protest auf Straßen und Plätzen nicht ignorieren können. Willy Wimmer möchte dazu jedenfalls ermutigen.

Wenn der Rheinländer nicht Hunderte Kilometer von Bautzen entfernt leben würde, hätten die 14-tägigen Sonntagskundgebungen von „Wir sind Deutschland“ am Reichenturm hin und wieder einen Redner mehr. Doch vor allem sollen dort natürlich die Bautzener zu Wort kommen. So auch wieder am 1. Mai ab 15 Uhr, diesmal allerdings auf dem Hauptmarkt. Und weil es ein Feiertag ist, gibt es mit dem Auftritt von „Die Bandbreite“ ein musikalisches Extra. Dieses deutsche Hip-Hop-Duo aus Duisburg bezeichnet sich (laut Wikipedia) selbst als Polit-Pop-Band. „Viele Songs haben sozial- oder zeitkritische Inhalte …“ Ob die Musiker aber wirklich in die „rechte Ecke“ gehören, wie bei Wikipedia breit erläutert wird? Also, wie hieß es doch einst: „Heraus zum 1. Mai!“

Hans-Georg Prause

letzte Aktualisierung: 26.4.2016, 11.00

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