Woher stammt der Name Wenzelsmarkt?

In Bautzen lässt sich der Weihnachtsmarkt bis zum Jahr 1384 zurückverfolgen. Damit ist dieser Markt sogar 50 Jahre älter als der Dresdner Striezelmarkt. Ja, das haben Historiker herausgefunden....

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In Bautzen lässt sich der Weihnachtsmarkt bis zum Jahr 1384 zurückverfolgen. Damit ist dieser Markt sogar 50 Jahre älter als der Dresdner Striezelmarkt. Ja, das haben Historiker herausgefunden. Sie recherchierten emsig im Auftrag der Stadt und kamen zu diesem erstaunlichen Ergebnis. Natürlich widersprechen andere Historiker, wer will seine Forschungen schon infrage stellen.

Akten im Stadtarchiv Bautzen belegen eine kontinuierliche, von der Stadt organisierte Weihnachtsmarkttradition. Anzeigen der Händler weisen auf das Angebot von Spielzeug, Naschwerk, Töpferwaren hin. So sollte der Begriff Fleischmarkt nicht mit dem Begriff Christmarkt gleichgesetzt werden. Fest steht: Sowohl in Dresden, Bautzen und anderswo entstanden zuerst Fleisch – und später dann Weihnachtsmärkte.

König Wenzel (1364-1419) gab Bautzen das Recht, bereits zu St. Michaeli, den 29. September, einen freien Fleischmarkt bis zu Weihnachten jeweils sonnabends abzuhalten. Der Monarch stellte damals alle Märkte in Bautzen unter Schutz und verbot weitere Märkte. Später bestätigte dies der König in einer Urkunde: „In Buddisin wird seit alters her, über hundert Jahre lang und weit über Menschen Gedenken, ein Fleischmarkt abgehalten“.

Im Laufe der Jahre gesellten sich zu den Fleischern andere Händler und sogar auswärtige Kaufleute. Das hört sich gut an, doch dieses Handelstreiben verlief nicht gänzlich ohne Streitereien. Wer wollte schon auf Privilegien verzichten!

König Wenzel IV. verlieh Bautzen nicht nur das Recht auf einen Jahrmarkt, sondern schützte die Stadt vor feindlichen Angriffen. Er bezog den niederen Adel und die Bürger der Städte bei Entscheidungen ein, so bei einer neuen Ratsordnung.

Vater Kaiser Karl IV. ließ seinen Sohn schon als Zweijährigen zum König von Böhmen krönen. 1376 wurde Wenzel römischer – deutscher König. Er strebte nicht nach der Kaiserkrone, seine Leidenschaft gehörte dem Jagen. Als später einer seiner Hunde Wenzels Frau zu Tode biss, verfiel er dem Alkohol. Bei einer Audienz mit König Karl VI. von Frankreich war Wenzel so betrunken, dass er mit ihm nicht um die christliche Kirchenspaltung sprechen konnte. Eine Blamage nach der anderen folgte und er kam in den Ruf, Deutschlands schlechtester König ein  fauler, trinkfreudiger und herrschsüchtiger Typ, ein unwürdiger Inhaber des Heiligen Römischen Reiches zu sein. Wenzel wurde schließlich als römischer – deutscher König entmachtet. Sein Halbbruder Sigmund nahm ihn gefangen, 1403 bestätigte der Papst die Absetzung als deutscher König.

Der Weihnachtsmarkt trägt trotzdem den Namen „Wenzelsmarkt“. König Wenzel kommt zu Pferd auf dem Hauptmarkt angeritten und verleiht der Stadt erneut das Marktrecht. Ihn begleiten die sieben Mönche zu Bautzen in ihren Kutten. Sie übernehmen das Anzünden der Kerzen am Weihnachtsbaum.

Die Bautzener Stadtobrigkeit grübelte über die Namensbenennung einige Zeit  nach und befragte sicherheitshalber die Händler. Über 60 Prozent stimmten für den Namen Wenzelsmarkt. Ihnen waren die schlechten Eigenschaften des Königs von anno dazumal egal.

Der Bautzener Weihnachtsmarkt ist der größte und längste in der Oberlausitz. Er bietet eine Vielfalt an Angeboten. Neben der klassischen Bratwurst, der ungarischen Salami und den hiesigen Pfefferkuchen sind auch Oberlausitzer Stupperle (Kartoffelklöße) zu bekommen. Der Name Stupperle geht auf die spezifische Sprache der Oberlausitzer zurück und heißt eigentlich nur, dass die Klöße stopfen, also richtig satt machen.

Dietmar Sehn

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