Zwischen Leben und Tod. Markus Dankert leistet den letzten Dienst am Leben.

M.D. Es ist ein etwas seltsames Lehrbuch, das ich in den Händen halte. Herausgegeben hat es der Fachverlag des deutschen Bestattungsgewerbes. Der Band trägt den Titel „Bestattungen in...

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Markus Dankert, Bestatter in Hoyerswerda
M.D.

Es ist ein etwas seltsames Lehrbuch, das ich in den Händen halte. Herausgegeben hat es der Fachverlag des deutschen Bestattungsgewerbes. Der Band trägt den Titel „Bestattungen in Deutschland“, ist 488 Seiten dick und so schwer, wie sein Thema. Man hat eine wahre Last daran zu tragen. Ob man auch an dem Beruf, den man mit Hilfe dieses Buch erlernen kann, eine so schwere Last zu tragen hat, fragte ich den Besitzer des Wälzers, Markus Dankert.

Das erste, was ich von Markus Dankert erfuhr, war seine wunderbar warme Stimme am Telefon. Fast überraschte es mich dann, in der Begegnung einem so jungen Mann gegenüber zu stehen. Offen schilderte er mir seinen Werdegang und seinen beruflichen Alltag im Bestattungsinstitut Bodo Tannenhauer in Hoyerswerda, einem Unternehmen mit zertifiziertem Qualitätsmanagementsystem. Und er erzählte von den Beweggründe, die ihn in dieses Geschäft brachten und die ihn noch heute von Tag zu Tag tragen und begeistern.

Es sind leise Stimmen, mit denen wir über den Beruf des Bestatters reden. Und es ist eine vorsichtige Rhetorik, die Faktoren anspricht wie „Wirtschaftlichkeit“, „Krisensicherheit“ und „Distanz“. Der Dienst am Menschen ist es, den Markus an seiner Arbeit liebt. Die Vielseitigkeit des Berufes ist es, die der gebürtige Ulmer schätzt.

Als Markus einst seinen Onkel verlor, kam er erstmalig mit dem Tod in Berührung. Als er dann während seines Soziologiestudiums im Internet vom Ausbildungsberuf der Bestattungsfachkraft las, wurde er neugierig. Er absolvierte ein 14-tägiges Praktikum, blieb noch ein Jahr im Unternehmen und begann 2006 die Lehre. Sein damaliger Chef wies ihn mit den Worten ein: „Als Bestatter musst Du alles können“.

Und wirklich, das dicke Lehrbuch ist Zeuge eines umfangreichen Tätigkeitsprofils. Da geht es um Rechtsvorschriften und Betriebswirtschaftslehre, Grabtechnik und Warenkunde, Hygiene und Thanatopraxie (Kurzzeitkonservierung), Kultur und Religion. Der Umgang mit der EDV ist ebenso ein Thema wie die Jahresabschlussrechnung, die Firmenwerbung, die Ausgestaltung einer Trauerfeier, religiöse Besonderheiten und „Verfahren zur […] Abdichtung von Särgen“. (S. 257) 3 Jahre dauert die Ausbildung in Theorie und Praxis. Für Markus waren es nur zwei, weil er das Abitur mit in die Ausbildung brachte.

Bei aller Zweckgebundenheit – zwischen den Zeilen des dicken Buches ist von einer tiefen Achtung zu lesen, von der Anerkennung der Würde des Toten, welcher ein tiefer Respekt vor dem Leben zugrunde liegt. Unter dieser Überschrift steht auch der Umgang mit den Angehörigen. Einfühlungsvermögen ist dabei gefragt. „Das Leben hat viele Schicksale parat. Mitgefühl ist wichtig, aber auch Distanz“, beschreibt Markus Dankert die Beziehung zu den Hinterbliebenen. „Oft bin ich der starke Part, der den Überblick behält“, sagt er nachdenklich und fügt hinzu: „Es ist ein Beruf, der gebraucht wird, nicht nur ein Broterwerb. Am Ende des Tages habe ich das Gefühl, etwas Sinnvolles geschaffen zu haben“.

Das „Sinnvolle“ ist für Markus Dankert ein würdiger Abschied, Hilfestellung bei der Trauerbewältigung und oft das ganz persönliche Dankeschön der Hinterbliebenen. Bestatter zu sein ist eine Berufung. Eine Berufung, die unendlich viel Menschlichkeit einfordert, sie aber im gleichen Atemzuge auch zurückgibt. Davon erzählte mir die wunderbar warme Stimme von Markus Dankert.

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