AdBlue Mangel an Tankstellen

Mitte Oktober warnte der Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. aufgrund der Energiepreissteigerungen vor den weitreichenden Folgen: „Die zuletzt enormen Energiepreissteigerungen – allein der Dieselpreis ist binnen...

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Mitte Oktober warnte der Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. aufgrund der Energiepreissteigerungen vor den weitreichenden Folgen: „Die zuletzt enormen Energiepreissteigerungen – allein der Dieselpreis ist binnen Jahresfrist um rund 58 % gestiegen – können vom mittelständischen deutschen Transportgewerbe nicht zeitnah kompensiert werden. Aufgrund der geringen Gewinnmargen im Straßengüterverkehr riskieren Transportunternehmen, denen es nicht gelingt, die Kostensteigerungen weiterzugeben, ihre Existenz. Langfristig werden sich die Wirtschaft und letztendlich auch der Verbraucher auf steigende Preise einstellen müssen.“

Diese Entwicklung, vom Endverbraucher bislang noch nicht spürbar, hatte sich aber bereits Anfang Oktober 2021 angekündigt. Der größte Ammoniak-Produzent Deutschlands, die SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH, teilte in einer Pressemitteilung die Drosselung der Ammoniakproduktion um rund 20 Prozent mit und verwies auf die sich seit Wochen zuspitzende Entwicklung des Gaspreises. „Das mittlerweile erreichte Niveau ermöglicht keine ökonomisch sinnvolle Produktion mehr, sodass wir uns zu diesem Schritt gezwungen sehen“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung Petr Cingr. Die Dynamik des Preisanstiegs sei besorgniserregend, so Cingr. „Wir fordern unverzügliches Handeln der Politik. Ohne staatliche Maßnahmen droht in Kürze ein Produktionsstopp. Die Konsequenzen betreffen dann nicht allein den Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt, sondern werden sich auf weiterverarbeitende Industrien, die Logistik und die deutsche Landwirtschaft auswirken.“

Die von den Herstellern angekündigten Konsequenzen sind nun beim Verbraucher von Dieselfahrzeugen mit E5 und E6-Norm zu spüren. Der Transportunternehmer und Tankstellenbetreiber Stefan Lehmann aus Kirschau (Landkreis Bautzen) berichtet über Lieferschwierigkeiten beim AdBlue und erklärt: „Verpackte Ware von 10 Liter-AdBlue-Behältern sind im Moment nicht verfügbar. Lose Ware bekommen wir an den Tankstellen nur aller 14 Tage. Laut Aussage des Lieferanten soll das auch eingehalten werden. Das Problem ist aber, dass wir mit der losen Ware keine 14 Tage mehr hin kommen und dann nichts verkaufen können. Der Verbrauch ist höher als die Produktion.“

Ende Oktober wandte sich der BGL gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) mit einem Brandbrief an Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), um auf die „besorgniserregende Knappheit“ der wässrigen Harnstofflösung hinzuweisen. „Immer mehr Transportunternehmen berichten, dass Großhändler ihre Lieferaufträge für Adblue nicht mehr einhalten“, sagte BGL-Vorstandssprecher Prof. Dirk Engelhardt.

Info:

Ammoniak ist ein Vorprodukt der Düngemittelherstellung sowie einer Vielzahl chemischer Grundstoffe für die Industrie. Die SKW Stickstoffwerke Piesteritz gehört zu den größten Herstellern von AdBlue auf dem deutschen Markt. In der Vorwoche haben bereits etliche Unternehmen ihre Ammoniakproduktion gedrosselt, darunter BASF und der norwegische Düngemittelhersteller Yara. Infolge des unrentablen Gaspreises haben europaweit bereits mehrere Unternehmen ihre Produktion gänzlich und auf unbestimmte Zeit eingestellt.

Die Harnstofflösung AdBlue dient in Diesel-Pkw und -Lkw mit dem sogenannten SCR-Katalysator zur Abgasreinigung. Die Flüssigkeit wird in den Abgasstrang eingespritzt, um Stickoxide unschädlich zu machen. Auf 1.000 Kilometern verbrauchen die meisten Pkw rund ein bis zwei Liter der Lösung. Von einer AdBlue-Knappheit wären zahlreiche Fahrer neuerer Diesel-Pkw der Abgasnormen Euro 5 und vor allem 6 betroffen. Bei Lkw der Normen Euro V und VI ist ein SCR-Kat mit Adblue-Einspritzung seit 2008 vorgeschrieben, und auch zahlreiche Baumaschinen und Schiffe benötigen Harnstoff für die Abgasreinigung.

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