Gut gerüstet in die Erkältungssaison

Zehn bis fünfzehn Infekte pro Jahr sind bei Kindern normal. Plagen den Nachwuchs Fieber, Halsweh, Schnupfen und Husten, können Eltern mit den passenden Präparaten für Linderung sorgen. Doch...

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Zehn bis fünfzehn Infekte pro Jahr sind bei Kindern normal. Plagen den Nachwuchs Fieber, Halsweh, Schnupfen und Husten, können Eltern mit den passenden Präparaten für Linderung sorgen. Doch nicht alles, was Erwachsenen gut tut, ist auch für Kinder verträglich. Göran Donner, Vizepräsident und Pressesprecher der Sächsischen Landesapothekerkammer, informiert, welche Arzneimittel sich für die Selbstmedikation der jungen Patienten eignen – und wann man unbedingt den Kinderarzt aufsuchen sollte.

Herr Donner, wieso sind Kinder öfter krank als Erwachsene?

Das Immunsystem ist bei Kindern noch nicht ausgereift, deshalb fangen sie sich scheinbar jeden kursierenden Virus ein. Meist handelt es sich dabei um harmlose grippale Infekte. Mit den Erregern muss der Körper selbst fertig werden, aber die Symptome – Halsweh, Schnupfen, Husten und Fieber – lassen sich mit rezeptfreien Präparaten aus der Apotheke sehr gut lindern. Eltern greifen dann gern zu natürlichen und sanften Mitteln, Homöopathie und Pflanzenmedizin stehen hoch im Kurs. Sie sind meist gut verträglich und leisten gerade bei Erkältungen sehr gute Dienste. Aber nicht alles, was Erwachsenen gut tut, ist auch für Kinder geeignet. Deshalb sollten sich Eltern vor dem Griff in die Hausapotheke stets in der Apotheke beraten und geeignete Mittel empfehlen lassen. Dort kennt man sich auch mit der altersgemäßen Dosierung aus und weiß über Neben- und Wechselwirkungen Bescheid.

Was können Sie denn konkret empfehlen, etwa gegen Halsschmerzen?

Wenn die Kinder schon in der Lage sind, Pastillen zu lutschen, bieten sich Lutschtabletten, etwa mit Isländisch Moos, zur Schmerzlinderung an: Sie bilden eine Schutzschicht auf den gereizten Schleimhäuten und wirken so beruhigend. Salbei, ob als Bonbon gelutscht oder als Tee gegurgelt, lindert auch die Entzündung. Schulkinder können zusätzlich mit Kochsalzlösung spülen, gurgeln oder – unter Aufsicht – inhalieren. Aber bitte nur mit speziellen Inhalatoren, denn bei der „Kochtopfmethode“ drohen Augenreizungen und Verbrühungsgefahr. Wichtig ist es, den Hals warmzuhalten und die kleinen Patienten zu regelmäßigem Trinken anzuhalten. Ideal sind Wasser und ungesüßte Tees, wohingegen Milch und Säfte die Beschwerden eher verstärken.

Und wie lassen sich Schnupfen und Husten bekämpfen?

Verstopft ein Schnupfen die Nase, helfen abschwellende Nasentropfen. Es gibt sie für alle Altersstufen, man darf sie aber höchstens dreimal täglich und nicht länger als eine Woche anwenden. Eine sanfte Alternative sind salzhaltige Nasensprays. Macht die Schnupfennase einem Baby beim Trinken zu schaffen, kann man das Nasensekret mit einem Nasensauger aus der Apotheke entfernen. Bei älteren Kindern verhindern schleimlösende Kombipräparate u. a. mit Schlüsselblume, dass der Schnupfen chronisch wird. Husten ist zwar lästig, aber hilfreich: Er dient den Schleimhäuten zur Selbstreinigung. Wer den Hustenreiz dennoch lindern möchte, kann zu Säften, Tropfen oder Lutschbonbons mit Spitzwegerich, Isländisch Moos, Malve oder Eibisch greifen. Den Schleim lösen z. B. Präparate mit Primel. Wahre Alleskönner sind Extrakte aus Efeu und Thymian: Sie wirken schleimlösend, reizstillend und entkrampfend. Zusätzlich helfen Tees aus Fenchel und Anis. Es gibt auch Balsame zum Einreiben, etwa mit Latschenkiefer oder Cineol. Man darf sie aber nicht im Gesicht anwenden, und für Kleinkinder sowie Kinder mit Keuchhusten, Pseudokrupp oder Asthma sind sie grundsätzlich tabu. Für diese Patientengruppen und für Babys gibt es spezielle Einreibungen, die mild zur Haut sind und ätherische Öle wie z. B. Thymianöl enthalten.

Was raten Sie bei Fieber?

Fieber ist an sich gut, denn damit bekämpft der Körper die eingedrungenen Erreger. Senken sollte man es daher nur, wenn der Nachwuchs sehr schlapp und quengelig ist oder die Temperatur auf über 39 Grad steigt. Bewährt haben sich dafür Zäpfchen oder Saft mit den Wirkstoffen Ibuprofen (zugleich schmerzlindernd und entzündungshemmend) und Paracetamol. Die Dosierung muss sich dabei stets nach dem Körpergewicht richten und die vorgeschriebenen Zeitabstände beachten. Acetylsalicylsäure ist dagegen für Kinder unter 12 Jahren generell ungeeignet. Zudem sollten Eltern die Temperatur immer wieder kontrollieren, mit einem digitalen Thermometer aus der Apotheke geht das einfach und schnell. Fiebert ein Säugling, hält das Fieber bei älteren Kindern länger als drei Tage an, steigt es auf über 39 Grad und/oder will das Kind nichts trinken, ist ein Arztbesuch nötig.

Was können Eltern sonst noch tun, um dem Nachwuchs zu helfen?

Generell sollten Kinder bei Erkältungen viel trinken, am besten Wasser und ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees. Wer ätherische Öle anwenden will, sollte stets auf die Altersangabe achten: Speziell Kampfer, Menthol und Minzöl sind nämlich für Babys und Kleinkinder tabu, da sie einen Atemstillstand auslösen können. Und: Wer seinem Kind die Zeit und Ruhe gibt, den Infekt zuhause auszukurieren, senkt das Risiko einer bakteriellen Zweitinfektion, die z. B. zu einer Mittelohrentzündung führen kann. Schule oder Kita sollten daher frühestens nach zwei fieberfreien Tagen wieder auf dem Programm stehen. Nutzen Sie diese Pause auch für eine Extraportion Zuwendung – Liebe macht erwiesenermaßen schneller gesund!

Vorbeugen ist ja bekanntlich die beste Medizin. Haben Sie dazu Tipps?

Die Schleimhäute im Nasen-Rachen-Bereich sind weniger anfällig für Erreger, wenn man sie warm und feucht hält, etwa durch häufiges Trinken und ausreichende Luftfeuchtigkeit – dafür sorgen z. B. nasse Tücher auf der Heizung. Viel Bewegung an der frischen Luft in geeigneter warmer Kleidung (vor allem die Füße sollten nie nass oder kalt werden) stärkt das Immunsystem – ebenso wie ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung mit viel (gewaschenem) Obst und Gemüse. Und, ganz wichtig: Wer sich häufig und gründlich die Hände wäscht, trägt entscheidend dazu bei, die Ansteckungsgefahr zu senken.

Foto: Göran Donner, Sächsische Landesapothekerkammer

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