Negerlein und Scheißerle

Eine Weihnachtskrippe kann sehr üppig sein. Zum üblichen Personal, also dem Gefolge der Heiligen Drei Könige, der Familie des Hirten, sind auch einige Nebenpersonen präsent, beispielsweise ein Mensch...

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Eine Weihnachtskrippe kann sehr üppig sein. Zum üblichen Personal, also dem Gefolge der Heiligen Drei Könige, der Familie des Hirten, sind auch einige Nebenpersonen präsent, beispielsweise ein Mensch mit dunkler Haut, ein Afrikaner. Doch es gibt Leute, die behaupten: Wer Neger sagt, sei rassistisch.

Der Nick – Neger wurde in den Kirchen weltweit auch als Spendendose verwendet. Das Geld kam den christlichen Missionen zugute. Die freundlich lächelnde Figur nickte dankend, wenn eine Münze in die Spendendose vor ihm geworfen wurde. Kramt man im Advent die Figuren der Weihnachtskrippen hervor, bleibt diese Person meist allein zurück. So befinden sich viele traditionelle Nick – Neger wohl verpackt im Fundus der Pfarrämter oder einige in der Ecke des Heimatmuseums. Damit man die Figuren nicht ganz vergisst.

Die Firma Wendt & Kühn aus Grünhainichen, bekannt für Erzgebirgskunst, verzichtet auf deren Herstellung wegen der politisch nicht korrekten Bezeichnung. Die „maximal pigmentierten Figuren“ sind so nicht mehr akzeptabel, passen nicht mehr in diese Welt. Darüber ist der einst so fröhliche Spendeneintreiber mehr als traurig. Zum Glück aber tauchen regelmäßig Carmen Nebel und andere Promis mit einer Weihnachts – Spendenaktion auf.  

Weniger anstoßend ist wohl der Caganer, eine weitere Krippenfigur. Das Wort kommt aus dem Katalanischen und bedeutet Scheißerle. Die lustige Bauernfigur verrichtet mit heruntergelassener Hose in der Nähe von Christi Geburt seine Notdurft. Das Scheißerle sei, so der  Brauch, für das Geben und Nehmen, den ausgewogenen und vollständigen Kreislauf der Natur, das Essen und Düngen zuständig.

Manche sagen zu ihrem Liebling sogar im Kreis der versammelten Weihnachtsfamilie Scheißerle. Na, wenn diese Zutraulichkeit nicht ab – oder  anstoßend ist?

Dietmar Sehn

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