Wie ein sparsames Leben zur Normalität wird

Immer wieder ist der Spruch zu hören: Menschen mit wenig Geld, sind glücklicher. Denn hinter einem hohen Kapital steckt die Ansicht, dass Personen, die sich die Luxusgüter leisten...

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Immer wieder ist der Spruch zu hören: Menschen mit wenig Geld, sind glücklicher. Denn hinter einem hohen Kapital steckt die Ansicht, dass Personen, die sich die Luxusgüter leisten können, entsprechend viel arbeiten müssen. Doch immer mehr gehen zu dem Trend über, sich gegen den Konsum zu stellen. Dabei ist der Grund nicht nur, dass in Bautzen Alterarmut droht. Sondern sie beginnen ganz bewusst, ihre eigenen Prioritäten neu zu definieren und Konditionierungen durch Eltern, Freunde, Verwandte und Schule abzuschütteln. Denn ein sparsames Leben ist auch in Zufriedenheit möglich, ohne den ganzen erzwungenen Kaufanregungen nachzugeben. Die Entscheidung, aus weniger mehr zu machen, hat ebenfalls einen positiven Einfluss auf die Gesundheit.

Laut der Weltbank leben weltweit mehr als 3 Milliarden Menschen unter der Armutsgrenze. Auch in Deutschland kämpfen viele jeden Tag um das Überleben. Laut Statistiken aus dem Jahr 2017, waren hierzulande fast 20 Prozent von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen. Besonders hoch war die Quote in Mecklenburg-Vorpommern sowie Bremen. Hier lag sie bei über 20 Prozent. Betroffene kämpfen dabei tagtäglich um das Wichtigste. Hinzukommen die Kosten für Strom, Wasser oder Reparaturen. Etwa, wenn das Fahrzeug für den Weg zur Arbeit defekt ist oder die Waschmaschine den Geist aufgibt. Viele haben keine Rücklagen, um solche Kosten aufzufangen. Daher greifen immer mehr Menschen in solchen Situationen auf Kleinkredite zurück. Diese lassen sich heute digital im Internet realisieren. Dabei läuft alles online ab. Von der Anfrage über die Beantragung bis hin zur Zuteilung. Für einen Großteil die letzte Chance, ihr Leben noch in geregelten Bahnen zu halten.

Auf der Gegenseite sind es immer mehr Menschen, denen es finanziell gut geht, die den Status quo hinterfragen. Die Antriebsfeder dahinter ist unterschiedlich. Die einen möchten einfach weniger Geld ausgeben, um im Alter mehr zu haben. Andere hätten lieber mehr Freizeit, als die unzähligen Stunden Lebenszeit hinter einem Schreibtisch zu verbringen. Denn letztendlich tauscht ein jeder seine Zeit gegen finanzielle Mittel. Um einen Überblick zu erhalten, gilt es zu Beginn erst einmal alle Einnahmen und Ausgaben schriftlich festzuhalten. Besonders praktisch gelingt das über eine Haushaltsbuch-App. Aber auch das klassische Notizheft reicht vollkommen aus.

So lassen sich dann schnell und unkompliziert die großen Geldfresser ausmachen. Ist eine Aufstellung gemacht, kann damit begonnen werden, Prioritäten zu setzen. Welche Ausgaben sind zwingend erforderlich und wo kann sinnvoll etwas eingespart werden. Dabei ist es hilfreich zu hinterfragen, warum man eigentlich mit weniger auskommen möchte. Manchmal ist es einfach die finanzielle Lage, in der man steckt. Oder es gibt Probleme in der Familie. Doch auch der Wunsch einmal eine Weltreise zu machen oder ganz simpel, sich einen Hund leisten zu können, sind Gründe. Wichtig ist, sich selbst zuzugestehen, dass man sich frei entscheiden kann, wie das eigene Leben aussehen soll und wie man es führen möchte.

Aufteilung der finanziellen Mittel

Ist das vorangegangene gemeistert, geht es an die Aufgabe, eine genaue Aufstellung davon zu machen, wie das Einkommen auf die Aufwendungen verteilt wird. Etwa für den Lebensmitteleinkauf, die Freizeitaktivitäten oder die Fortbewegung. Jeder Euro hilft, Geld und somit wertvolle Zeit zu sparen. Selbst kleine Beträge jeden Monat können im Jahresrückblick viel ausmachen. Ganz genau geprüft werden sollten dabei Verträge. Mobiltarife, Stromanbieter, eventuell Gaslieferant, Versicherungen. Oft werden jahrelang einfach Beiträge entrichtet, obwohl es bereits deutlich günstigere Anbieter gibt. Hier schlummert schnell viel Kapital, das mit wenig Aufwand freigesetzt werden kann.

Wer sich schwertut, den privaten Geldfluss zu kontrollieren, sollte nur noch auf Bargeld setzen. Dafür wird der benötigte Betrag, für zum Beispiel Lebensmittel, abgehoben. Daraus werden dann die Einkäufe finanziert. So ist immer klar, wie viel Geld noch übrig ist. Auch wird das Gefühl zum Geldausgeben geschärft. Durch das Zahlen mit Karte kommt das schnell abhanden und manche verlieren den Überblick.

Bei den Kalkulationen im Vorfeld ist ein wichtiger Punkt, finanzielle Mittel als Rücklagen einzuplanen. Entweder legt man dazu monatlich einen fixen Betrag zu Seite oder aber es wird wöchentlich etwas angespart. Damit können dann kurzfristige Engpässe überwunden werden. Wird es längere Zeit nicht benötigt, ist irgendwann genug zusammen, um eine größere Investition zu realisieren. Auch im Kontext der erwähnten Kleinkredite hilft diese Geldreserve. Denn die Kreditsumme muss nicht so hoch gewählt werden. Somit bleiben die Zinsen und die Rückzahlung moderater.

Die Einstellung ist der Schlüssel

Mit diesen bisher genannten Maßnahmen kann ein Leben ermöglicht werden, dass finanziell mehr Sicherheit bietet. Doch sie wirken sich auch in einem anderen Metier aus – der eigenen Einstellung und dem Konsumverhalten. Beides ist bei sehr vielen Menschen nicht mehr trainiert. Das System ist nicht dazu geschaffen, die eigenen Meinungen zu hinterfragen. Viel mehr werden Gefühle mit Produkten verbunden, die für Erfüllung sorgen sollen. Durch den klaren Umgang mit Geld sowie der Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen bekommt jeder etwas zurück: Selbstbestimmung.

Der Weg dahin ist nicht einfach. Denn vielen wurde über Jahrzehnte hinweg etwas anderes eingeprägt. So scheint es normal, dass ein neues Smartphone eben einmal 1.000 Euro kostet, während 800 Millionen Menschen hungern. Doch jeder kann eben in seiner Welt etwas ändern. Dazu gehört dann auch Disziplin zu halten und schlechte Angewohnheiten zu vermeiden.

So schaden Zigaretten, Alkohol und Zucker nicht nur dem Geldbeutel, sondern auch massiv der Gesundheit. Vielleicht nicht direkt, aber irgendwann einmal sicher. So gab Marcelo Sternberg, Professor für Pflanzenökologie der Universität Tel Aviv einmal zu Protokoll, das „es in der Natur nichts umsonst gibt“. Daher hilft das Sparen von Geld nicht nur, die eigene Meinung zu prüfen, Konditionierungen abzulegen, Automatismen zu durchbrechen und Lebenszeit zu gewinnen, sondern ebenfalls die Gesundheit zu erhalten. Alleine schon der Umstand, weniger Schulden und mehr Freizeit zu haben, verringert den Stress im täglichen Leben enorm. Jedoch kann dieser Weg nur selbst gegangen werden. Es wird niemand kommen und einem die Arbeit abnehmen!

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