Frösche haben keine Lobby

Foto: Michael Klinger Steinigtwolmsdorf. (M.K.) Fährt man die Straße von Wilthen in Richtung Mönchswalder Berg, sieht man seit ca. 3 Wochen wieder die kleinen grünen Schutzzäune, rechts und links...

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Foto: Michael Klinger
Foto: Michael Klinger

Steinigtwolmsdorf. (M.K.) Fährt man die Straße von Wilthen in Richtung Mönchswalder Berg, sieht man seit ca. 3 Wochen wieder die kleinen grünen Schutzzäune, rechts und links des Straßenverlaufes. Sie muten in ihrer Größe eher einer Puppenstube an, dienen aber allein dem Schutz von Kröten und Molchen. Diese hatten über den Winter ihr Quartier im angrenzenden Waldgebiet und wollen nun zu den Laichgewässern.

Die traditionellen Wege von Kröte, Molch und Co. kreuzen hier die Straße mehrfach. Doch die Straße ist gefährlich, denn viele Autofahrer nutzen diese kurze Verbindung über den Berg, um nach Bautzen zu kommen. Diese Begegnungen gehen für die Tiere meistens tödlich aus. Um das zu verhindern, wird seit nunmehr 10 Jahren immer in den Märzwochen der Schutzbereich errichtet und versucht, die Tiere am Queren der Straße zu hindern. Die Naturschutzstation Neschwitz ist Schirmherr der jährlichen Amphibienwanderung. Die Schutzzäune werden jedes Jahr rechtzeitig von deren Mitarbeitern aufgestellt.

Ich bin mit Birgit und Matthias Feldweg verabredet, stellvertretend für die anderen fleißigen Helfer bei der diesjährigen Amphibienwanderung und begleite sie bei der Absuche an den Zäunen.

Am Zaunverlauf, der ca. 1600 Meter misst, sind viele kleine Plasteeimer vergraben, in denen sich die Tiere sammeln. Doch dort können sie nicht bleiben, sie würden vertrocknen. So ist es denn jeden Morgen das gleiche Spiel – Begehung der Strecke, Aufsammeln der Tiere und Verbringen zu den Teichen. Dabei werden die Tiere in Zahl und Art erfasst und es wird Buch geführt.

Die Ergebnisse werden dann der Naturschutzstation in Neschwitz übermittelt und ausgewertet. So ist es möglich, die Populationsentwicklung über die Jahre zu verfolgen. Die Mittelschule in Wilthen nutzt die Märzwochen, um ihren Schülern das Ereignis näher zu bringen. Die Arbeit am Amphibienzaun teilen sich u.a. viele Schüler und Erwachsene. Seit vielen Jahren engagiert sich auch das Ehepaar Elke und Guido Pätzold für dieses Projekt.

Bei meiner Begleitung heute hatte ich Glück, nur eine Runde war nötig, da die Anzahl der Tiere nicht sehr hoch war. Wenn die Temperaturen steigen, sieht das dann ganz anders aus, berichten die Eheleute Feldweg. Kommen dann allerdings noch Regentage dazu, gibt es eine regelrechte Invasion am Morgen.

Der Spitzenwert war einmal 2000 Tiere an einem Tag. Im Schnitt kommen in den 4 – 5 Wochen so an die 5000 bis 6000 Tiere zusammen.

Dank gilt an dieser Stelle auch Herrn Großmann, der jedes Jahr die Randbereiche seiner Weidefläche zur Verfügung stellt, wo sonst keine Zäune stehen könnten.

Wenn Sie also morgen früh wieder die Wanderer mit den schwarzen Plastesänften an der Straße sehen, gehen sie einfach mal vom Gas. In einem Bereich wo eh nur 30km/h erlaubt sind, sollte das nicht schwer fallen. In spätestens 2 Wochen wird die Saison der Wanderung vorbei sein, die Zäune wieder abgebaut und die Auswertung kann beginnen. Es wird noch mal gezählt und die Statistik vervollständigt.

Für die Autofahrer ist die Sache nach dem Verschwinden der Zäune schnell vergessen, für die Betreuer nicht. Sie sinnen schon darüber nach, wie man die Zäune im nächsten Jahr noch effektiver aufstellen kann, um mehr Tieren den Asphalttod zu ersparen.

Die Gefährdung der Amphibienarten hat in den vergangenen Jahrzehnten ein erhebliches Ausmaß erreicht. Das liegt unter anderem an der Zerstörung ihrer Lebensräume und der Zunahme des Straßenverkehrs.

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