Fünftes Bautzener Sozialforum 2012

Fotos: Pieter Pottgieter Bautzen. (P.P.) Klirrende Kälte konnte am 4. Februar die sozial Engagierten nicht schrecken: Zum fünften Mal traf man sich in Bautzen zum Regionalen Sozialforum. Die...

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Fotos: Pieter Pottgieter
Fotos: Pieter Pottgieter

Bautzen. (P.P.) Klirrende Kälte konnte am 4. Februar die sozial Engagierten nicht schrecken: Zum fünften Mal traf man sich in Bautzen zum Regionalen Sozialforum. Die Sozialforumsbewegung entstand als Reaktion auf die Treffen der internationalen Regierungs- und Weltwirtschaftsbosse. Während die deutsche Sozialforumsbewegung in der Krise steckt – das vierte in Freiburg im Breisgau 2011 geplante Treffen kam nicht zustande, stattdessen gab es ein Krisentreffen in Hannover – bleiben die Turmstädter unermüdlich am Ball. In Bautzen kamen wie in den Vorjahren ca.  40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen. Den Einführungsvortrag hielt Dr. Elka Tschernokoshewa vom Sorbischen Institut zum Thema „Zukunft mitgestalten“. Anschließend formierten sich vier Gesprächskreise: Es ging um Patenschaften, Regionalgeld, den im September des letzten Jahres eingeführten „Lausitzer“, um die so genannten „Tauschringe“ und ein Regionales Bürgerzentrum für Bautzen und Umland.

Wie ein roter Faden zieht sich durch die Sozialforumsbewegung die Bestrebung, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen, dass Hartz IV ablösen soll. Diese Idee hat inzwischen Anhänger quer durch verschiedenen Parteien und soziale Schichten, so hatte kürzlich in der Dresdner Frauenkirche der Unternehmer und ehemalige Karlsruher Professor, Gründer der dm-Drogeriekette, Götz Werner sein Grundeinkommenskonzept vorgestellt und verteidigt. Auch der ehemalige thüringische Ministerpräsident Althaus setzt sich für ein Grundeinkommen ein, desgleichen verfechten jeweils eigene Konzepte Gruppen der Grünen und Linken. Unverhoffte Verstärkung bekam die Grundeinkommens-Bewegung nach dem Erdrutschsieg durch die Piraten bei den Berliner Kommunalwahlen. Schneller als alle anderen Parteien konnten sich im Vorjahr die Piraten sofort als Parteiziel bei ihrem ersten Parteitag in Offenbach am Main auf die Einführung eines Grundeinkommens einigen; woraufhin es umgehend zum Gespräch zwischen Dresdner Piraten und Bautzner Anhängern der Sozialforumsbewegung kam. Im März, so wurde jetzt auf dem Bautzner Sozialforum verkündet, werden in Bautzen die Piraten einen Kreisverband gründen. Am 25. März soll es so weit sein.

Das Thema Ankurbelung der Regionalwirtschaft bei gleichzeitigem Vertrauensverlust in den Euro spielt bei der aktuell laufen Einführung Regionalgeld eine Rolle. Seit September ist „der Lausitzer“ als Zahlungsgeld erprobt worden und es werden weitere Kunden und Unternehmer gesucht, die die Regionalwirtschaft unterstützen möchten, in dem sie regionale Produkte nicht nur mit Euro sondern auch mit der Regionalwährung Lausitzer kaufen bzw. verkaufen, die ausschließlich als Zahlungsmittel von ausgewählten Geschäften innerhalb der Lausitz zugelassen ist. Zum Anfassen wurden drei Scheine herum gereicht. Heftig gerungen wurde am Sonnabend verbal um die Entstehung eines Bürgerzentrums. Schon bei grundsätzlichen Fragen herrschte immenser Klärungsbedarf: Soll es sich bei dem Zentrum um ein „echtes“ Gebäude für Bautzner Bürgerinitiativen handeln oder reichen gemietete bzw. gelegentlich zur Nutzung überlassene Räumlichkeiten? Wer darf mitmachen und wie will man „die Rechten“ draußen halten? Wie soll die Finanzierung gewährleistet werden – als Bürgerstiftung oder Genossenschaft? Man wurde sich immerhin darüber einig, dass man noch in der Ideen-Sammlungs-Phase steckt. Bautznerinnen und Bautzner mit Ideen zum Bürgerzentrum können dies dem Bautzener Sozialforum mitteilen. Stammtischtreffen ist im „Grünen Laden“ jeden ersten Mittwoch im Monat. Damit ist das nächste Treffen am 7. März von 18 bis 20 Uhr am Hauptmarkt 2. Im Internet finden Interessierte das Sozialforum unter www.sozialforum-bautzen.de.

Fotos: Pieter Pottgieter

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