Genossen sind nicht mehr gefragt

Die politischen Zeichen stehen für einen Wandel in Deutschland. Laut einer von der ARD in Auftrag gegebenen Umfrage, steht die altehrwürdige Sozialdemokratische Partei Deutschlands vor dem historisch niedrigsten...

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Die politischen Zeichen stehen für einen Wandel in Deutschland. Laut einer von der ARD in Auftrag gegebenen Umfrage, steht die altehrwürdige Sozialdemokratische Partei Deutschlands vor dem historisch niedrigsten Wert, den es in der Geschichte des Deutschlandstrends gibt. In der bundesweiten Umfrage rutscht die SPD auf 21 Prozent ab.

Nun wird manch einer sagen, dass die SPD in Sachsen selbst von einem solchen Ergebnis nur träumen kann. Bei der Landtagswahl 2014 gewann man gegenüber 2009 zwar zwei Prozent dazu, doch das ergab letztlich bescheidene 12,4 Prozent. In den Bautzener Wahlkreisen lagen die Stimmenanteile zum Teil noch deutlich darunter.  Im Freistaat spürten die Sozialdemokraten zudem schon damals den Atem der AfD im Nacken (9,7 Prozent). Wird man nun noch in den bundesweiten Abwärtstrend der SPD gezogen, sind das keine guten Aussichten.

Wer den Absturz nur an Parteichef Sigmar Gabriel fest macht, macht es sich zu einfach.

Deutschland steht im globalen Wettbewerb mit all seinen Auswüchsen. Die Industrie muss schnell, viel und billig liefern. Die Menschen wollen individuell und unabhängig sein. Damit löst sich die SPD Stammwählerschaft immer mehr auf. Der typische Industriearbeiter und Kleinbürger verschwindet. Deutschland war ein Industriestandort mit Millionen Arbeitsplätzen. Viele, zuviele, sind in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen. Beispielsweise die Braunkohleindustrie in der Lausitz, die Steinkohle im Ruhrgebiet oder die Schwer- und Chemieindustrie in Mittel- und Westdeutschland. Sicher gibt es aktuell mehr denn je sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Nur von welcher Qualität? Ein Blick auf den nächsten Rentenbescheid genügt. Wirtschaft bedeutet heute nur noch globaler Wettbewerb und Rendite für das Kapital. Individualität, Home Banking, Shopping, Wellness oder Sozial Media werden groß geschrieben. Klingt ja auch viel moderner als Heimatverein, Wandergruppe oder Haushaltstag. Um diesen „modernen und weltoffenen Menschen“ buhlen viele Parteien. Meistens Wähler links der Mitte. Konservativ wird in Deutschland gerne mit rückschrittlich verwechselt….und den will doch keiner. CDU, SPD, Linke und Grüne haben diese Wählerschicht für sich erkannt und stellen bis auf wenige Unterschiede dieselben Forderungen: Atomausstieg, Mindestlohn, Homoehe, großzügige Sozialgesetze und Willkommenskultur für Flüchtlinge und Ausländer.

Dabei stehen wir vor Herausforderungen, die ein radikales Umdenken erfordern. Als Beispiele sind Umweltverschmutzung, Industrialisierung der Lebensmittelindustrie und gleiche Bildungspolitik genannt. Probleme die alle angehen und einst die soziale Stärke der SPD war. Heute wollen (fast) alle Parteien die junge, hippe Stadtgeneration ansprechen. Aber auch diese werden Verlierer sein. Wie viele junge Menschen werden eine durchgehende Erwerbsbiografie von 45-50 Arbeitsjahren haben? Nur wenige. Diese sollen aber die jetzigen Renten sicherstellen und auch noch selber vorsorgen. Die sozialen Unterschiede zwischen wenigen Reichen, der schwindenden Mittelschicht und vielen Armen führt mittelfristig zum Erstarken am linken und rechten Parteienspektrum.

Die Mitte schrumpft und es wird dann nur noch Platz für eine Volkspartei mit über 30 Prozent geben. Im Augenblick sieht es so aus, als ob die Genossen nicht mehr gefragt sind.

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