Macht und Pracht zum „Tag des offenen Denkmals“

Unverhüllt, freizügig und verletzlich. So präsentiert sich der Ratssaal zum diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“. Dieser ist nur einer von vielen guten Gründen, am Sonntag, dem 10. September...

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Unverhüllt, freizügig und verletzlich. So präsentiert sich der Ratssaal zum diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“. Dieser ist nur einer von vielen guten Gründen, am Sonntag, dem 10. September 2017, mit einem neugierigen Blick durch Bautzen zu streifen.
Eigentlich gehört der Ratssaal für viele Gäste des Denkmaltages zu den vertrauten Objekten. Weil dieser aber nicht nur ein guter, sondern auch ein alter Bekannter ist, war die Zeit reif für eine Sanierung. Seit einigen Wochen laufen die Restaurierungsarbeiten. Da der Raum in dieser spannenden Phase geöffnet wird, bekommen interessierte Gäste am Sonntag exklusive Einblicke in die historischen Mauern. Der Ratssaal wird zum „Tag des offenen Denkmals“ jedoch nicht nur präsentiert, weil er derzeit die wohl schönste und interessanteste Baustelle Bautzens ist. Gleichzeitig symbolisiert er das diesjährige Motto der Veranstaltung par excellence.

„Macht und Pracht“. Dieser thematische Hintergrund eint alle 11 Gebäude, die als Objekte zum „Tag des offenen Denkmals“ besichtigt werden können. Ein besonderer Fokus liegt auf den Bauten der Landstände. Früher durch den Oberlausitzer Adel errichtet, werden die prächtigen Häuser heute beispielsweise als Kindergarten, Berufsschulzentrum oder Kreisverwaltung genutzt. Am Sonntag gewähren das Bautzener und das Görlitzer Landhaus sowie das Landständische Seminar interessante Einblicke. Diese bietet in diesem Jahr auch der Britze-Garten. Der Villengarten, dessen künstlerische Aura verzaubert, soll damit wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken.

Wer am „Tag des offenen Denkmals“ schon häufiger durch Bautzen gestreift ist, wird sich besonders über eine Neuerung freuen. Erstmalig lädt in diesem Jahr das Herrenhaus Rattwitz interessierte Gäste ein. Das ehemalige Rittergut, das in der Vergangenheit unter anderem als Pflegeheim genutzt wurde, ist für gewöhnlich nicht zugänglich. „Deshalb freue ich mich besonders, dass die engagierten Besitzer sich in diesem Jahr an der Veranstaltung beteiligen“, erklärt Baubürgermeisterin Juliane Naumann. Am Sonntag werden im Herrenhaus Rattwitz Führungen angeboten, außerdem dürfen sich die kleinen Denkmaltag-Besucher über vielfältige Aktivitäten zum Mitmachen und Kutschfahrten freuen. 2017 rücken die jungen Gäste ohnehin stärker in den Mittelpunkt. In den vergangenen Jahren konnten die Besucher an den Objekten fleißig Stempel sammeln – ein Angebot, das vor allem von den Kindern genutzt wurde. Weil diese fortan noch aktiver in den „Tag des offenen Denkmals“ eingebunden werden sollen, entfällt der Denkmalpass in diesem Jahr. Stattdessen wurde der Treff- und Verweilpunkt auf dem Hauptmarkt ausgebaut. Hier wird garantiert keinem langweilig. Die (jungen) Besucher können etwa beim Entwickeln eigener Wappen kreativ werden, Buttons basteln oder Medaillen und Plaketten plastisch gestalten.

Nicht nur auf dem Hauptmarkt wird der „Tag des offenen Denkmals“ von einem bunten Programm begleitet. Neben den 11 Besichtigungsobjekten beleben engagierte Bürger zahlreiche weitere Einrichtungen und Gebäude in der Stadt. So werden beispielsweise auch der Nicolaiturm, das Wohnhaus Mättigstraße 22 oder das Areal der Mönchskirchruine geöffnet. „Dieses umfangreiche Programm wäre ohne die vielen, engagierten Helfer überhaupt nicht möglich“, betont Juliane Naumann. „Deshalb möchte ich von Herzen allen danken, die auf so vielfältige Weise zum Gelingen dieses Tages beitragen.“ In diesem Zusammenhang darf sich auch der Tourismusverein Bautzen Budy¹ín e.V. angesprochen fühlen, der wie in den Vorjahren ein „Lebendiges Denkmal“ gestaltet. Passend zum Thema „Macht und Pracht“ steht dabei 2017 der prunkvolle Stucksaal der Ortenburg im Zentrum des Interesses. Wie kaum ein anderer Ort in Bautzen manifestiert dieser den Zusammenhang zwischen Herrschaft und Baukunst. Ein besonderes Augenmerk gilt den 9 Bildfeldern der Stuckdecke. Darüber hinaus werden unter anderem große Persönlichkeiten der Weltgeschichte vorgestellt, die die Entwicklung der Stadt mitgeprägt haben.

„Nutzen Sie den Tag, um die Schönheit Bautzens neu zu entdecken, indem Sie den Blick fürs Detail wahren“, gibt Baubürgermeisterin Juliane Naumann den Besuchern mit auf den Weg. Sie selbst hofft, in diesem Jahr endlich alle Objekte sehen zu können. Trotzdem möchte sie ihre Entdeckungstour pünktlich beenden, um auch den letzten Höhepunkt der Veranstaltung zu genießen. Ab 16.45 Uhr lassen die Bautz’ner Stadtpfeifer den „Tag des offenen Denkmals“ musikalisch ausklingen und verbreiten ihre Klänge vom Rathausturm aus. Einen mächtigeren und prächtigeren Ausklang könnte der „Tag des offenen Denkmals“ wohl kaum finden.

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