Einzelhandel kritisiert Regierung

Äußerst irritiert hat der Handelsverband Sachsen auf die Ankündigung des Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, die Geschäfte außerhalb der Lebensmittelbranche zu schließen, falls die Infektionszahlen binnen zwei Wochen nicht sinken,...

636
636

Äußerst irritiert hat der Handelsverband Sachsen auf die Ankündigung des Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, die Geschäfte außerhalb der Lebensmittelbranche zu schließen, falls die Infektionszahlen binnen zwei Wochen nicht sinken, reagiert.
Der Einzelhandel leistet seit Monaten mit Hygienekonzepten und Infektionsschutzmaßnahmen konsequent seinen Beitrag zur Verhinderung der Ausbrei-tung des Coronavirus. Die Unternehmen haben auf ihre Kosten Schutzwände aufgestellt, desinfizieren die Griffe der Eingangstüren, Einkaufskörbe und -wagen sowie Flächen, die häufig von Kunden berührt werden, und stellen Desinfektionsmittel zur Verfügung. Zusätzlich werden die strengen Zugangsbeschränkungen zur Anzahl der Kunden, die sich zeitgleich in den Geschäften aufhalten dürfen, eingehalten und Einbahnstraßensysteme durchgesetzt, um die Sicherheit der Kunden und Mitarbeiter zu gewährleisten. Darüber hinaus weisen die Einzelhändler mit Durchsagen, Plakaten, Aushängen und Bodenmarkierungen auf die Einhaltung der Mindestabstände und die nötigen Vorsichtsmaßnahmen hin und empfehlen verstärkt die bargeldlose Zahlung.
Hinzu kommt, dass im gesamten Einzelhandel die Maskenpflicht gilt, die zuletzt auch auf die Bereiche vor den Geschäften, die Fußgängerzonen, Parkhäuser und Parkflächen ausgeweitet wurde. „In der Gesamtschau und vor dem Hintergrund der strengen Hygieneregelungen und Auflagen im Einzelhandel ist es daher umso unverständlicher, dass der Ministerpräsident nunmehr den ohnehin bereits stark von der Krise betroffenen Non-Food-Einzelhandel erneut in den Fokus nimmt.“, so René Glaser, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen.
Nach dem Lockdown im Frühjahr dieses Jahres, der im Nicht-Lebensmitteleinzelhandel zu einem historischen und unwiederbringlichen Um-satzrückgang führte, konnte die Branche in den Sommer- und Herbstmonaten lediglich eine zaghafte Erholung verzeichnen, wenngleich die verlorenen Umsätze des Frühjahrs vielerorts nicht ansatzweise aufgeholt werden.

Der Anfang November verhängte Lockdown light führt im Einzelhandel mitten im wichtigen Weihnachtsgeschäft darüber hinaus zu einem erheblichen und anhaltenden Rückgang der Passantenfrequenzen und Kundenzahlen insbesondere im innerstädtischen Einzelhandel mit deutlich sinkenden Umsätzen bei gleicher Kostenlast. Bereits heute verfügen zahlreiche, insbesondere mittelständisch geprägte Unternehmen über keine Rücklagen und finanziellen Reserven mehr, eine Vielzahl der Betriebe ist wirtschaftlich ausgezehrt. Es wurden zusätzliche Kredite zum Überleben aufgenommen, nicht selten die Altersvorsorge eingebracht. „Sehen sich bereits jetzt viele Einzelhändler, die unverschuldet in die aktuelle Situation geraten sind, massiv in ihrer Existenz bedroht, würde ein zweiter Lockdown für zahlreiche Unternehmen das endgültige Aus bedeuten.“, so Glaser weiter.

Mit der Aufgabe der Geschäfte werden die Probleme der Innenstädte dramatisch zunehmen, für viele Menschen brechen Arbeitsplätze und ein Stück Heimat weg.
Sollte die Landesregierung daher eine erneute Schließung des Non-Food-Einzelhandels verfügen, muß der Freistaat Sachsen nach dem aktuellen Modell der November- und Dezemberhilfe in der Konsequenz ebenso auch für den Einzelhandel in eine Umsatzausfallerstattung treten. Es wäre keinem Einzelhändler zu vermitteln, warum diese Nothilfen für eine Branche, die im Freistaat als drittgrößte Wirtschaftsbranche für über 100.000 Arbeitsplätze steht, keine analoge Unterstützung erfährt.

Info zum Handelsverband Sachsen e.V.
Der Handelsverband Sachsen ist die Spitzenorganisation und die unternehmenspolitische Interessenvertretung des sächsischen Einzelhandels. Insgesamt erwirtschaften in Sachsen über 13.000 Einzelhandelsunternehmen mit über 112.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten einen Umsatz von ca. 23 Mrd. Euro jährlich.

In this article