Lichterkette mit Lücken – Und was sonst noch geschah

Ein Hauch von Romantica lag am Dienstag in der Luft. Es war ein lauer Herbstabend. Die Dunkelheit brach herein. Viele Bautzener und Gäste säumten den Straßenrand zwischen dem...

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Ein Hauch von Romantica lag am Dienstag in der Luft. Es war ein lauer Herbstabend. Die Dunkelheit brach herein. Viele Bautzener und Gäste säumten den Straßenrand zwischen dem Kornmarkt und der Schlieben-Kreuzung. In der Hand hielten sie kleine Lichter. Mit diesen sollte eine Kette gebildet werden, um „ein Zeichen für ein friedliches Miteinander“ zu setzen. Diese es gut meinenden Bürger, rund 500 an der Zahl, waren allerdings unter sich. Wäre es nicht passend gewesen, die jungen Flüchtlinge aus der Unterkunft an der Dresdner Straße hätten sich dort mit eingereiht? Der Wille zum Miteinander blieb so eine recht einseitige Sache.

Abend für Abend hatte es vergangene Woche auf der „Platte“ mehr oder minder heftige Auseinandersetzungen zwischen ausländischen Jugendlichen und Einwohnern der Stadt gegeben. In der Nacht zum Donnerstag war die Lage dann eskaliert. Unerwartet kam das nicht. Tags zuvor wurde ein Bautzener von einem jungen Flüchtlinge mit einer Flasche schwer verletzt. Nach wechselseitigen Provokationen, linke und rechte Parteigänger hatten sich in Stellung gebracht, rückte ein größeres Polizeiaufgebot an. Dass die Beamten dann von den Ausländern attackiert wurden, musste selbst die jeglicher Fremdenfeindlichkeit unverdächtige „Sächsische Zeitung“ später zugeben. Obwohl sie das, was sich danach in jener Nacht abspielte, gleich mal vollmundig als „Hetzjagd“ bezeichnete. Deutsche verfolgten die Ausländer bis zu deren Heim jenseits der Friedensbrücke. Zugegeben, das war schon heftig und laut, doch es gab weder eine Massenschlägerei (u.a. MDR und DIE WELT) noch ein Pogrom (die Macher von https://linksunten.indymedia.org  sollten mal nachlesen, wofür dieser Begriff steht!). Die Bautzener Bundestagsabgeordnete Carmen Lay (Die Linke) spricht ebenfalls von Pogromstimmung.

Aber nur solche Übertreibungen konnten in den Tagen danach bundesweit die Negativ-Schlagzeilen rechtfertigen. Es wurde so viel geschrieben und berichtet, dass das, was wirklich geschehen war, im Wust der Beiträge unter ging. Und ob am Sonntag im Fernsehen (Anne Will-Talk) oder am Montag in den Zeitungen: Das Thema Bautzen war wohl ein willkommener Vorwand, nicht zu ausführlich auf die Protest-Demonstration vieler Zehntausender gegen TTIP und CETA und auf das blamable Wahlergebnis für die Regierungsparteien in Berlin eingehen zu müssen. Beides war auffällig schnell vom Bildschirm und aus den Zeitungsspalten verschwunden.

Eine Folge hatte die Medien-Hysterie allerdings. Oder sogar einen Erfolg, wie jene sagen werden, die nur zu gern politische Kontroversen als Straßenkampf austragen möchten. Nach dem verregneten Samstag, der die Gemüter etwas abkühlte, trafen sich am Sonntag wieder Rechte und Linke und Extremisten beider Couleur in Bautzen – allerdings nicht aufeinander, da war die Polizei sehr aufmerksam. Bei der rechten Anti-Asyl-Demo mit dem sich anschließenden kleinem Spaziergang hatte sie aber nicht viel zu tun. Es waren auch nur rund 200 meist etwas ältere Leute vor Ort. Fahnen wurden geschwenkt, Reden gehalten – ein wenig Pegida light zur Kaffeezeit in einer kleinen Stadt.

Gleichzeitig sammelte sich der sogenannte schwarze Block vor dem Bahnhof. Etwa 400 junge Antifa-Enthusiasten, angereist aus Dresden und Leipzig, formierten sich. Auf den Plakaten und Transparenten stand nun nicht etwa „Grüße aus Connewitz“, sondern dass man fighten, also kämpfen will. Für das Recht, klar! Oder doch gegen die Rechten? Vielleicht soll man das alles nicht zu wörtlich nehmen. Oder besser doch?  Juliane Nagel zum Beispiel, Abgeordnete der Linken im Sächsischen Landtag, soll ja gute Kontakte zu Linksautonomen haben. Erst Ende August hatte sie eine Demo in Heidenau organisiert, was sogar in ihrer eigenen Partei auf Kritik stieß. Aber die Vermummten, angereist aus Leipzig, marschierten trotzdem dort auf. Was störte es sie, dass der dortige Bürgermeister das alles „völlig überflüssig“ fand und selbst die linke Stadtratsfraktion wenig begeistert von diesem Auftritt war. (http://www.sz-online.de/nachrichten/linke-distanzieren-sich-von-demo-3478785.html).

Dieses Mal nun also Bautzen. Andere Organisatoren, gleiches Spiel. Ob viele Bürger von dem schwarzroten Aufmarsch beeindruckt waren? Zugegeben, es sah bedrohlich aus. Die Straßen waren frei, die Reihen fest geschlossen. Die Antifa marschierte, war jedoch im Polizei-Kordon gut aufgehoben. Am Husarenhof wurde ein Halt eingelegt. Wen von den Angereisten interessiert es schon, dass noch immer keiner weiß, wer dieses ehemalige Hotel angezündet hat. Nur die Zeitungen, die kannten die Täter schon am Tag darauf. Und wollen inzwischen gar nicht mehr so gern an das erinnert werden, was sie damals abgedruckt haben. Soziale Medien von weit linksunten sind nicht so zimperlich. Die haben längst den Bann über das braune Bautzen verhängt. Das ist hate speech, das ist der blanke Hass.

Um es kurz zu machen: Zu Konfrontationen mit rechten Demonstranten kam es nicht. Außerdem mussten sie ja zum Zug. Das linke Gastspiel dauerte also nicht lange. Es war fremdbestimmt und so martialisch, dass selbst „Bautzen bleibt bunt“ da Berührungsängste hatte. Die Mitglieder dieses Bürgerbündnisses wollen sich lieber direkt um die Betreuung der Flüchtlinge kümmern. Das ist gut, denn das tut not. Dabei sollte man die Mitglieder dieses Vereins auch unterstützen. Der Ruf nach mehr Sozialarbeitern und Streetworkern muss eben so erhört werden, wie eine stärkere Präsenz von Ordnungsamt und Polizei im Stadtzentrum erforderlich ist.

Denn so peinlich dieser Gedanke für die sich um die Flüchtlinge sorgenden Bautzenern auch sein mag: Es ist immerhin möglich, dass die jungen Ausländer im Stillen über ihre Gastgeber lachen, weil schon nach zwei, drei Tagen die meisten der gegen sie verhängten Restriktionen wieder aufgehoben worden sind. Und über eine Lichterkette sowieso. Diese hatte übrigens einige große Lücken, aber man rückte gern zusammen, wenn es galt, ein aussagestarkes Foto zu machen. Hätten sich nun noch junge Ausländer in großer Zahl mit eingereiht, ach, was für tolle Motive wären das gewesen. Mit ihnen, den so bemitleidenswerten Opfern der Bautzener Verhältnisse.

Frechheit siegt – ob sie diesen deutschen Spruch wohl schon kennen? Verhalten haben sich einige von ihnen jedenfalls so. Während all jene, die in der Stadt und im Landkreis etwas zu sagen haben, viel zu lange meinten: Zuerst schließen wir die Augen, und dann sehen wir weiter.

Hans-Georg Prause

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