Dresdner Maler ermordet

In zwei Jahren jährt sich der 200. Todestag des Malers Gerhard von Kügelgen. Tausende  Dresdner nahmen am Gründonnerstag, dem 30. März 1820, am Trauerzug des Malers teil. Er...

1179
1179

In zwei Jahren jährt sich der 200. Todestag des Malers Gerhard von Kügelgen. Tausende  Dresdner nahmen am Gründonnerstag, dem 30. März 1820, am Trauerzug des Malers teil. Er war drei Tage zuvor einem Raubmörder in die Hände gefallen. Der Trauerzug führte zum Alten Katholischen Friedhof in der Dresdner Friedrichstadt. Die große Anteilnahme ging auf die Beliebtheit der Familie von Kügelgen zurück. Im Bürgerhaus „Gottessegen“ an der Hauptstraße trafen sich bekannte Persönlichkeiten, Ludwig Tieck, Theodor Körner und auch Dichterfürst Goethe.

Der am 6. Februar 1772 in Bacharach am Rhein geborene Gerhard von Kügelgen zog als 33 jähriger mit seiner Familie nach Dresden und erlangte mit seinen Porträts große Berühmtheit. 1814 wurde von Kügelgen zum Professor an die Kunstakademie berufen. Die Dresdner schätzten den Maler, der in Rom Malerei studiert und am Hof des russischen Zaren in St. Petersburg Künstlerporträts für den dortigen Adel geschaffen hatte.

Der Tod des Malers erschütterte die Dresdner, vor allem fand die grausam Ermordung jähe Empörung. In der Stadt hingen allerorts Bekanntmachungen und der Dresdner Anzeiger informierte über die geraubten Gegenstände. Der König hatte zur Auffindung des Täters eine Belohnung von 1000 Talern ausgesetzt. Kurz nach Ostern meldete sich ein jüdischer Kaufmann, der hatte von einem Soldaten die silberne Taschenuhr zum Kauf angeboten bekommen. Schließlich fanden Kinder unter einem Steinhaufen den Mantel des Malers entdeckt. Der Unterkanonier Johann Georg Fischer geriet in den Verdacht und wurde festgenommen. Fischer legte ein Geständnis ab, widerrief. War er der Mörder? Neue Beweise brachten weitere Kleidungsstücke, die ein anderer Händler drei Wochen nach dem Mord den Behörden vorlegte. Erneut geriet ein Soldat in Verdacht, der 24 jährige Unterkanonier Johann Gottfried Kaltofen. Bei einer Hausdurchsuchung fanden sich weitere Gegenstände von Kügelgen. Endlich gestand Kaltofen: „ Ich brauchte Weihnachten Geld und Ostern wieder, und so lauerte ich meine Opfer auf. Kügelgen schlug ich mit dem Beil nieder. Neben den Kleidern nahm ich ihm drei Taler, 17 Groschen und seine Uhr ab. Mein Komplice heißt Fischer, ist Soldat wie ich.“

Der Richter konstatierte: „Der Angeklagte ist menschlich verroht, skrupellos und sozial entwurzelt. Er ist auf das Rad zu flechten und dort ihm jeder Knochen einzeln zu zerschlagen“. Der König hatte den zweifachen Mörder begnadigt und so fand die öffentliche Hinrichtung reichlich ein Jahr später durch das Schwert des Henkers in Dresden statt. Kaltofens letzte Worte waren: „Fischer hat dieselbe Strafe verdient!“ Doch das Urteil für den Erstverdächtigen lautete: Freispruch in Mangel allen Verdachtes.

Über das tragische Ereignis schrieb Sohn Wilhelm von Kügelgen in seinen „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“: „Man gab mir Polizeidiener und Hunde mit, die Gegend abzusuchen. Am Linkschen Bade verteilten wir uns zu beiden Seiten der Chaussee. Auf dem Wege zum Waldschlösschen stand plötzlich der mir zunächst laufende Hund. Ich sprang herzu – da lag mein Vater mit dem Gesicht auf nackter Erde – erschlagen und nur mit einer Unterhose bekleidet,“

Sohn Wilhelm schrieb weiterhin: „ Mein Vater war als Künstler hochbegabt. Dazu war er ein Mann von seltener Herzensgüte und von so überaus einnehmenden Wesen, dass ihm trotz seines leicht aufflammenden Temperamentes überall wo er sich zeigte, die Freunde und Verehrer wie Tau aus der Morgenröte geboren wurden.“

Dietmar Sehn

Aus dem Buch: „Kriminelles aus Sachsen“, erschienen im Tauchaer Verlag,

ISBN 978-3-89772-300-9

In this article