Zwischen Friedensfest und Demokratiewochen

Mit der Demokratie ist das so eine Sache. Insbesondere dann, wenn es darum geht, sie zu leben. In Bautzen, wo derzeit die „Wochen der Demokratie“ stattfinden, gab kurz...

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Mit der Demokratie ist das so eine Sache. Insbesondere dann, wenn es darum geht, sie zu leben. In Bautzen, wo derzeit die „Wochen der Demokratie“ stattfinden, gab kurz vor deren Eröffnung ein Beispiel dafür, wie man es eher nicht machen sollte.

Am Weltfriedenstag, also am 1. September, hatte der Verein „Bautzner Frieden“ zu einem Friedensfest eingeladen. Es war bereits die dritte Veranstaltung unter diesem Motto, während die Demokratie-Wochen (http://www.demokratie-bautzen.de/) erstmals durchgeführt werden. Auf dem Kornmarkt präsentierte sich Bautzen von seiner bunten Seite. So zentral gelegen, gab es viele Besucher. Zudem war das Wetter schön. In der „Sächsischen Zeitung“ fand das Friedenfest trotzdem nicht statt – weder vorher noch nachher. Übersehen haben dürften es die Journalisten kaum. Der Ort des Geschehens lag fast in Blickweite ihrer Redaktion. Was nur den Schluss zulässt, es wurde schlicht und einfach ignoriert.

Am Rande der Podiumsdiskussion, an der sich u.a. Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens, Vertreter der Partei Die Linke, der SPD, von VVN BdA sowie des veranstaltenden Vereins beteiligten, wurde bekannt, dass seitens der Lleitung eines Bautzener Gymnasiums die Teilnahme einer Schulklasse an diesem Friedensfest abgesagt wurde. Von Moderator Andreas Thronicker, „Lauentürmer“ und Ex-OB-Kandidat, dazu befragt, erklärten die Teilnehmer der Gesprächsrunde auf der Bühne unisono ihr Unverständnis ob so einer Entscheidung. Für diese 16-Jährigen wäre das „Politik zum Anfassen“ gewesen. Die lokale Politprominenz machte es vor, wie man die eigene Meinung auch ohne Schaum vorm Mund vertreten kann. Was von den aufmerksamen Zuhörern ganz im Wortsinne beifällig aufgenommen wurde. Eine Ausgrenzung des Andersdenkenden fand dabei nicht statt. Oder anders gesagt: Es ging demokratisch zu.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Hatte da jemand in der Redaktionsstube und im Lehrerzimmer diffuse Berührungsängste? Möglich wäre es. Und peinlich dazu. Aber nur, wenn man absurde Äußerungen wie diese zu ernst nimmt:

Das 3. Bautzner Friedensfest wurde zum Beispiel auf www.freie-radios.net“, einer Plattform sich basisdemokratisch gebender kleiner Rundfunksender, die „weder staatstragend noch profitabel sein wollen, die eher außerhalb des Mainstream stehen“, als eine „putinistische Querfrontveranstaltung“ entlarvt. Böse, böse! Dazu gab es mit Blick auf den  „Bautzner Frieden“ auch gleich noch diverse Verschwörungstheorien. Also etwa in der Preislage: Unter den sogenannten Freunden von Vereinsvorstand  Mario Groebe auf Facebook ist auch einer, der wurde schon mal bei Legida gesehen. Schlimm, schlimm! Und noch eine Kostprobe als gekürztes Zitat: „Schaut man sich die Internetseite (des Veranstalters) an, dann fällt auf: Eine positive Bezugnahme zu Sahra Wagenknecht und Wladimir Putin …“ – Na wenn das nicht das jahrelange öffentliche Eintreten der Mitglieder dieses Bautzner Vereins für den Frieden – mit Mahnwachen und der Vergabe eines Friedenspreises – nachhaltig diskreditiert! (Ironie aus.)

Beim Friedensfest konnten die Teilnehmer und Besucher den „Bautzner Appell“ unterschreiben. (Dessen Text war sogar in Arabisch zu lesen. Da wurde wohl der Zeitgeist aus der Flasche gelassen.) Im Internet findet man ihn u.a. auf https://lauterbautzner.eu/tag/bautzener-appell/ Unterstützt wird dieser Aufruf vom „Bündnis von Bautzen“ aus SPD, Linken, Bürgerbündnis und anderen. Die Resonanz ist bislang nicht gerade überwältigend. Zu den Unterzeichnern auf https://www.openpetition.de/petition/online/bautzener-appell gehört auch Mario Groebe: „Als Vorstand des Bautzner Friedens und als Mensch begrüße ich ausdrücklich den Bautzner Appell. Ziel muss es endlich sein, alle friedliebenden Kräfte Deutschlands zu vereinen, vielleicht kann der Bautzner Appell dazu beitragen unsere Forderungen nach sofortigem Rüstungsstopp, einem Stopp der Koordinierung der Drohneneinsätze aus Rammstein sowie einer Abschaffung der Kernwaffen in Büchel Nachdruck zu verleihen.“

Also Frieden schaffen ohne Waffen? In einem Land, das weltweit der drittgrößte Waffenexporteur ist, sorgt das doch nur für Unruhe. Wer weiß, was dieser Mann und sein Verein mit so einem Friedensfest wirklich im Sinn haben. (Und nochmal: Ironie aus.)

Bei den „Wochen der Demokratie“ wird es am 14. September, 19 Uhr, im Hotel „Residence“ im Gewerbegebiet an der Wilthener Straße auch eine Diskussion über die Arbeit der Medien geben. Vielleicht stellt ja jemand dort die Frage, warum es einer lokalen Tageszeitung nicht opportun erscheint, über ein ganztägiges Friedensfest für die Bürger der Stadt mit Auftritten einheimischer Politiker zu berichten. (Im Gegensatz zu einem Bautzener Wochenblatt, dem „Oberlausitzer Kurier, der das sehr wohl tat.) Und jenes in diesem Beitrag eingangs erwähnte Gymnasium sollte das, was da abgelaufen ist, mit sich selbst klären – im offenen Gespräch mit Schülern, Lehrern, Eltern. Gewissermaßen ganz demokratisch.

Hans-Georg Prause

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